Ich habe Unterlagen aus dem Jahr 1902 bekommen und es ist sehr interessant. Wer heute durch Steilshoop geht, denkt selten daran, wie dieser Stadtteil früher aussah. Hochhäuser, Grünzüge und Verkehrsachsen prägen das Bild. Historische Unterlagen, Bauakten, Zeitungsartikel und Fotografien zeigen jedoch, dass Steilshoop über Jahrzehnte eine ganz andere Rolle hatte: als Ausflugsziel, Gastronomiestandort und Sportfläche für viele Hamburgerinnen und Hamburger.
Wo befand sich das frühere Steilshoop?
Das historische Zentrum dieser Nutzung lag rund um den sogenannten Forsthof Steilshoop, im Bereich der heutigen Fuhlsbüttler Straße sowie des damaligen Kirchenwegs (heute Beisserstraße). Um die Jahrhundertwende war Steilshoop noch ländlich geprägt. Wiesen, Knicks und Feldwege bestimmten das Bild, nicht dichte Bebauung.
Der Anfang: Der Forsthof Steilshoop
Der Beginn lässt sich genau datieren. Im Jahr 1902 wurde der Forsthof Steilshoop errichtet. Bauherr war Georg Michael Heinrich Beisser. Die Bauakten belegen, dass es sich um ein groß angelegtes Projekt handelte. Neben dem Hauptgebäude gehörten ein großer Saal, weitläufige Gartenflächen und eine Kegelbahn zum Ensemble. Die Genehmigung für den Bau der Kegelbahn wurde am 8. März 1902 erteilt.
Der Forsthof war kein kleines Dorfwirtshaus, sondern ein professionell geführtes Ausflugslokal. Zeitungsanzeigen und Postkarten bewarben ihn als Gartenrestaurant mit großzügigen Außenflächen. Der Forsthof richtete sich vor allem an Besucher aus Hamburg, die am Wochenende Erholung im Grünen suchten.
Vom Ausflugslokal zum Sportstandort
Ein neuer Abschnitt begann in den 1930er Jahren. Im Jahr 1934 verpachteten die Erben der Familie Beisser ein rund 40.000 Quadratmeter großes Gelände gegenüber dem Forsthof an den Post-Sportverein Hamburg. Der detailliert erhaltene Pachtvertrag erlaubt einen genauen Blick auf die damalige Nutzung.
Das Gelände durfte ausschließlich für Sportzwecke genutzt werden, darunter Fußball, Hockey und Tennis. Ausschank und kommerzielle Nutzung waren untersagt und an den Forsthof gebunden. Steilshoop wurde damit zu einem wichtigen Sportstandort, lange bevor der Stadtteil in seiner heutigen Form entstand. Der Verein investierte über viele Jahre in Sportplätze und Infrastruktur.
Das Ende der Sportflächen
Ein Zeitungsausschnitt aus der Sport-BILD vom 13. November 1958 markiert das Ende dieser Nutzung. Unter der Überschrift „Erst ohne Halle – jetzt ohne Sportplätze. Todesurteil für Post-SV?“ wird über die Kündigung der Sportflächen berichtet. Der Post-Sportverein hatte zu diesem Zeitpunkt rund 760 Mitglieder. Die Räumung der Plätze am Forsthof Steilshoop sollte zum 31. März 1959 erfolgen.
Der Artikel kritisiert, dass trotz des Mangels an Sportflächen in Hamburg wertvolle Anlagen aufgegeben wurden. Damit verlor Steilshoop einen wichtigen Ort des gemeinschaftlichen Lebens – noch bevor der großflächige Wohnungsbau der 1960er Jahre begann.
Was zeigen uns diese Dokumente heute?
Die gesammelten Unterlagen machen deutlich, dass Steilshoop eine lange und vielfältige Geschichte hat. Der Stadtteil war Ausflugsziel, Gastronomiestandort und Sportzentrum. Viele dieser Funktionen gingen im Laufe der Zeit verloren, ohne dass gleichwertige Alternativen entstanden.
Die Geschichte des Forsthofs und der Sportflächen zeigt, dass Fragen nach Nutzung, Erhalt und Aufgabe von Flächen Steilshoop schon vor über hundert Jahren geprägt haben. Wer heute über fehlende Treffpunkte, Sportangebote oder Grünflächen spricht, sollte diese historische Entwicklung kennen.
Steilshoop war nie nur Wohnort. Es war auch ein Ort der Begegnung, der Freizeit und des gemeinschaftlichen Lebens. Diese Geschichte lohnt es, wieder sichtbar zu machen.


