Die Mittelachse im Ring 17 in Steilshoop war über viele Jahre ein lebendiger Mittelpunkt für Kinder, Familien und soziale Begegnungen. Zwischen Gropiusring 79–67, Erich-Ziegel-Ring 70–82, der Gründgensstraße im Süden und der historischen Mittelachse im Norden befand sich einst ein vollwertiges, vielfältig genutztes Areal: Eine große Rutsche, Spielhäuser, Schaukelpferde, Reckstangen, ein Karussell sowie mehrere Sandkisten prägten das Bild und machten die Fläche zu einem der wichtigsten Spiel- und Aufenthaltsorte im Quartier.
Heute ist davon nichts mehr übrig. Kein einziges Spielgerät steht noch auf der Mittelachse. Die große Fläche liegt brach, wirkt verwaist und bietet keinerlei kindgerechte Nutzungsmöglichkeiten mehr. Was früher ein Ort voller Leben war, ist inzwischen nur noch eine kahle Restfläche – ein Verlust, den viele Steilshooperinnen und Steilshooper als schmerzlich empfinden.
Unmut vor Ort: Wie kann ein Spielbereich ersatzlos verschwinden?
Viele Anwohnerinnen und Anwohner fragen sich zu Recht, wie es überhaupt möglich sein kann, dass ein ehemals ausgestatteter Spielbereich vollständig abgebaut wird, ohne dass anschließend eine Wiederherstellung erfolgt. Insbesondere irritiert, dass der Senat in seinen bisherigen Antworten lediglich darauf verweist, dass zwei andere Spielplätze in der Nähe liegen. Doch diese Argumentation lässt die zentrale Frage offen:
Wenn ein Spielbereich jahrzehntelang bestand, öffentlich genutzt wurde und teilweise im Zuge privater Baumaßnahmen sogar baulich hergestellt wurde – warum gibt es keine Pflicht, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen?
Die Antwort des Senats: Keine Verpflichtung – aber auch keine Perspektive
Der Senat verweist in seiner Begründung auf folgende Punkte:
- In unmittelbarer Nähe existierten weiterhin zwei öffentliche Spielplätze:
– Erich-Ziegel-Ring (Höhe Hausnummer 12–23)
– Gropiusring (Höhe Hausnummer 15–21) - Zusätzlich sei der große Spielplatz am Borchertring verfügbar.
- Ferner gebe es private Spielmöglichkeiten in Innenhöfen.
- Das Bezirksamt Wandsbek halte diese Versorgung für ausreichend.
Entscheidend ist jedoch die rechtliche Bewertung der Fläche:
- Die Mittelachse besteht überwiegend aus Tiefbauflächen und sonstigen Grundstücksbereichen, die nicht im Verwaltungsvermögen des Bezirks stehen.
- Nach geltendem Planrecht (B-Plan Steilshoop 5, 1979) sind diese Flächen als Straßenverkehrsfläche oder Wohnbaufläche ausgewiesen.
- Keine der Flächen ist mit einer Spielplatzpflicht belegt.
- Deshalb – so der Senat – besteht keine Pflicht zur Wiederherstellung der vormals vorhandenen Spielgeräte.
Doch bleibt damit die Frage: Wer übernimmt Verantwortung für die Lebensqualität vor Ort?
Ein zentraler Spielbereich, der über Generationen zur Identität des Quartiers beitrug, ist verschwunden – und rechtlich fühlt sich niemand zuständig. Für die Menschen in Steilshoop wirkt das wie ein politisches Desinteresse an wohnortnahen Angeboten, die gerade in dicht besiedelten Quartieren essenziell sind.
Die Botschaft der Verwaltung lässt sich nüchtern zusammenfassen: Weil die Fläche planerisch nie als Spielplatz gesichert wurde, muss sie auch nicht wiederhergestellt werden – selbst wenn sie jahrzehntelang einer war.
Die rechtliche Antwort mag formal korrekt sein. Politisch bleibt sie unbefriedigend. Die Lebenswirklichkeit der Familien wird nicht dadurch besser, dass existierende Spielgeräte rückgebaut und nicht ersetzt werden – erst recht nicht in einem Stadtteil, der ohnehin seit Jahren um bessere Infrastruktur ringt.
Die Menschen vor Ort erwarten zurecht mehr als eine Verweislogik auf bestehende Planungsunterlagen aus dem Jahr 1979. Sie erwarten Engagement für ihren Stadtteil und eine klare Perspektive für die brachliegende Mittelachse. Hier wäre Initiative gefragt – nicht nur Verwaltungstechnik.

