Steilshoop erlebt derzeit eine hausärztliche Versorgungskrise, wie sie unser Stadtteil noch nie gesehen hat. Zwischenzeitlich waren beide verbliebenen Hausarztpraxen vollständig geschlossen – ein unhaltbarer Zustand für rund 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Betroffen war zum einen die Praxis Dr. Ahrary / Dr. Zimmermann in Fritz-Flinte-Ring, die krankheitsbedingt schließen musste. Dr. Ahrary ist mittlerweile wieder vor Ort – allerdings nur mit halber Kraft, wie er selbst betont. Er tue es den Patientinnen und Patienten nicht an, sie weiter ohne Versorgung zu lassen. Dieser persönliche Einsatz kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie dramatisch die Lage ist.
Noch schlimmer trifft es die Patientinnen und Patienten der ehemaligen Miamedes-Praxis. Dort ist weiterhin überhaupt nicht absehbar, wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Die Aushänge an den Türen sprechen eine deutliche Sprache: Bitte suchen Sie einen anderen Hausarzt auf. In dringenden Fällen wird auf weit entfernte Praxen verwiesen – ein unzumutbarer Zustand für ältere oder akut erkrankte Menschen.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist alarmierend: 2020 verfügte Steilshoop noch über zehn Hausärztinnen und Hausärzte. Heute sind es vier – und zeitweise war keine einzige Praxis geöffnet. Was für ein urbanes Quartier dieser Größe ein Mindeststandard sein sollte, ist inzwischen zu einem Glücksspiel geworden.
Die Folgen sind klar: übervolle Notaufnahmen, lange Wege, gesundheitliche Risiken und eine wachsende Verunsicherung innerhalb der Bewohnerschaft.
Steilshoop braucht dringend eine strukturelle Lösung – und zwar jetzt. Eine Stadt mit über 1,8 Millionen Einwohnern darf es nicht zulassen, dass ein ganzer Stadtteil über Tage oder Wochen ohne hausärztliche Versorgung dasteht. Hier muss endlich gehandelt werden.

