Seit dem Jahr 2020 laufen die Bebauungsplanverfahren für die Areale Steilshoop 11 und 12 – zwei Schlüsselflächen am nördlichen Rand des Stadtteils, die über die künftige städtebauliche Entwicklung wesentlich entscheiden werden. Doch seit der letzten größeren öffentlichen Information im Jahr 2021 ist praktisch kein Fortschritt mehr erkennbar. Trotz früher Online-Formate und Informationsveranstaltungen liegt der Entwurf bis heute nicht vor, eine erneute öffentliche Beteiligung wird erst für Anfang 2026 angekündigt. Für einen Stadtteil, der dringend Impulse und eine ausgewogene Entwicklung benötigt, ist das ein fatales Signal.
Während SPD und Grüne weiterhin auf zusätzlichen sozialen Wohnungsbau setzen – inklusive möglicher Hochpunkte –, wächst der Unmut vieler Anwohnerinnen und Anwohner. Auch die CDU warnt seit Langem vor einer einseitigen Planung ohne echte soziale Durchmischung. Steilshoop brauche funktionierende Infrastruktur, mehr Aufenthaltsqualität, Sport- und Gemeinbedarfsflächen und eine kluge Verzahnung mit dem bestehenden Quartier – aber keine weiteren massiven Verdichtungen, die neue Probleme schaffen, statt alte zu lösen.
Öffentliche Beteiligung erst 2026 – und wieder nur das gesetzliche Minimum
Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass die formale Beteiligung gemäß § 3 Abs. 2 BauGB tatsächlich erst Anfang 2026 stattfinden soll. Die Unterlagen sollen dann für mindestens 30 Tage online und im Bezirksamt ausliegen. Bürgerinnen und Bürger können in dieser Zeit schriftlich oder digital Stellungnahmen abgeben. Die Ankündigung erfolgt – wie üblich – über die ortsübliche Bekanntmachung und eine Pressemitteilung.
Eine aktive, dialogorientierte Bürgerbeteiligung, wie sie in vielen modernen Stadtentwicklungsprozessen längst Standard ist, sieht der Senat derzeit jedoch nicht vor. Workshops, Präsenzveranstaltungen, aufsuchende Formate, Jugendbeteiligung? Fehlanzeige. Das gesetzliche Minimum wird erfüllt, mehr nicht. Dabei wäre gerade in Steilshoop, einem Stadtteil mit hohen sozialen Herausforderungen und besonderem Entwicklungsbedarf, eine frühzeitige und ernsthafte Beteiligung unverzichtbar.
Planungsinhalte unverändert – trotz Kritik aus dem Stadtteil
Auch die Frage nach möglichen Anpassungen an den Entwürfen seit 2021 lässt wenig aufhorchen: Die Wettbewerbsergebnisse wurden zwar – wie üblich – um Gutachten und behördliche Rückmeldungen ergänzt. Doch wesentliche Änderungen bei
- den Wohnungsanteilen,
- den Gebäudehöhen,
- den Sport- und Gemeinschaftsflächen
habe es nicht gegeben. Damit bleiben auch die kritisierten Hochpunkte weiter im Verfahren. Selbst die Hinweise aus dem Beteiligungsworkshop zu Steilshoop 11 wurden nur teilweise eingearbeitet. Angesichts der klaren Rückmeldungen vieler Anwohner, die vor weiteren sozialen Belastungen und städtebaulichen Fehlentwicklungen warnen, wirkt dies wie eine vertane Chance.
Einbindung der Bevölkerung: Ein formaler Prozess reicht nicht aus
Die Verwaltung verweist darauf, dass die Bevölkerung „gemäß den gesetzlichen Vorgaben“ eingebunden werde – also erneut nur das, was das Baugesetzbuch zwingend vorschreibt. Der Planungsausschuss begleitet das Verfahren in öffentlicher Sitzung, aber ein systematischer, niederschwelliger, dialogorientierter Einbezug der Menschen im Stadtteil ist weiterhin nicht erkennbar.
Dabei wäre genau das notwendig, um Vertrauen aufzubauen und Fehlentwicklungen zu vermeiden. Steilshoop hat enormes Potenzial – aber eine Planung, die nur in Behördenstuben entsteht und erst 2026 wieder öffentlich wird, kann diesem Anspruch kaum gerecht werden.
Steilshoop braucht echte Perspektiven – keine weiteren Verzögerungen
Steilshoop darf nicht erneut Opfer zögerlicher Verwaltungsprozesse, einseitiger politischer Vorgaben und mangelnder Transparenz werden. Was der Stadtteil benötigt, ist:
- eine klare Perspektive, wann und wie es weitergeht,
- Transparenz zu Gebäudehöhen, Nutzungsmischungen und sozialen Auswirkungen,
- ehrliche Alternativen ohne weitere Hochhäuser,
- frühzeitige, echte Bürgerbeteiligung,
- eine Planung, die soziale Durchmischung stärkt statt bestehende Probleme zu verschärfen.
Ohne Kurskorrektur droht eine Fehlentwicklung, die Steilshoop weiter belastet statt stärkt. Die CDU wird weiter Druck machen – für eine Stadtteilentwicklung, die diesen Namen verdient und die Menschen in Steilshoop endlich mitnimmt statt übergeht.
Quelle: Drucksache 23-02285

