Mit der Schließung der Kindertagesstätte „Pusteblume“ im Gustav-Seitz-Weg ist Ende 2023 ein wichtiger Betreuungsstandort in Steilshoop weggefallen. Damals wurde zugesagt, die Kita nach einer Sanierung wieder in Betrieb zu nehmen. Zwei Jahre später zeigt sich: Aus dem Versprechen ist bislang keine tragfähige Perspektive geworden.
Zwar betont die städtische Sprinkenhof GmbH weiterhin das Ziel, den Standort erneut einer Kita-Nutzung zuzuführen. Tatsächlich wurden Gespräche mit rund 15 Trägern geführt und das Gebäude öffentlich ausgeschrieben. Doch auch der zwischenzeitlich ausgewählte Träger Stadtküken sprang wieder ab – nicht aus pädagogischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Die notwendigen Sanierungsmaßnahmen, insbesondere beim Brandschutz, der Barrierefreiheit und der Raumaufteilung, erwiesen sich als deutlich teurer und umfangreicher als ursprünglich angenommen. Die Bauarbeiten wurden gestoppt, eine Umsetzung gilt derzeit als „wirtschaftlich nur schwer darstellbar“.
Besonders kritisch ist dabei der Widerspruch zwischen Planung und Realität. Der Bebauungsplan „Steilshoop 5“ sieht für das Grundstück eine Nutzung als Gemeinbedarfsfläche mit Zweckbestimmung „Kindertagesheim“ vor. Gleichzeitig gelingt es der Stadt trotz erheblichem Aufwand nicht, diese Nutzung auch tatsächlich zu realisieren. Statt Klarheit herrscht Prüfmodus: alternative Nutzungsszenarien, mögliche Neubebauung, gegebenenfalls sogar eine Änderung des Bebauungsplans – alles wird geprüft, nichts entschieden. Das Bezirksamt ist bislang nicht einmal formal in eine bauplanungsrechtliche Prüfung eingebunden.
Vor dem Hintergrund der angespannten sozialen und medizinischen Versorgungslage in Steilshoop wirkt diese Unentschlossenheit besonders problematisch. Auch die Idee, zumindest temporär ärztliche Containerlösungen auf der rückwärtigen Grünfläche zu ermöglichen, wurde verworfen. Begründung: Die Fläche werde entweder als Kita-Außenbereich benötigt oder diene künftig als Baustelleneinrichtungsfläche. Damit scheidet selbst eine Übergangslösung aus – obwohl der Stadtteil dringend zusätzliche medizinische Angebote bräuchte.
Unterm Strich bleibt ein ernüchterndes Bild: Ein sanierungsbedürftiges Gebäude, ein Bebauungsplan, der faktisch blockiert, hohe öffentliche Kosten ohne sichtbaren Nutzen und ein Stadtteil, der seit Jahren auf Lösungen wartet. Was fehlt, ist eine klare politische Entscheidung: Entweder ein realistischer Neustart für eine Kita – oder eine ehrliche Anpassung der Planungsgrundlagen, um andere dringend benötigte Nutzungen zu ermöglichen. Weiteres Abwarten kann sich Steilshoop nicht leisten.
Quelle: Drucksache 23/2356

