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Stromnetzausbau in Hamburg: Bürokratie bremst die Energiewende aus

Der Ausbau der Stromnetze ist eine zentrale Voraussetzung für die Energiewende. Doch ausgerechnet in Hamburg sorgen Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse immer wieder für Verzögerungen. Das räumt der Senat nun selbst ein.

Mehr Bürokratie, längere Bauzeiten

Aus der Praxis berichten Tiefbau- und Netzbauunternehmen seit längerem, dass Stromnetzprojekte häufig nicht in einem Zug umgesetzt werden können. Stattdessen werden Maßnahmen in mehrere kleine Bauabschnitte aufgeteilt. Gründe sind gestaffelte Genehmigungen, unterschiedliche Baufreigaben oder konkurrierende Baustellen.

Der Senat bestätigt nun, dass solche Aufteilungen die Bauzeiten verlängern können. Auch der organisatorische Aufwand steigt. Gleichzeitig erhöhen sich die Kosten.

Mehr Kabelmuffen bedeuten höhere Kosten

Besonders interessant ist die Aussage zu den sogenannten Kabelmuffen. Werden Stromtrassen in mehrere Abschnitte zerlegt, sind zusätzliche Verbindungen notwendig.

Der Senat bestätigt, dass eine höhere Anzahl von Kabelmuffen sowohl den Bauaufwand als auch die Baukosten erhöht.

Damit wird deutlich: Jeder zusätzliche Bauabschnitt verursacht nicht nur mehr Abstimmungsaufwand, sondern kann auch direkt zu höheren Kosten beim Netzausbau führen.

Senat kennt konkrete Verzögerungsfälle

Besonders bemerkenswert: Dem Senat ist bereits mindestens ein konkreter Fall bekannt.

Eine größere Kabelbaumaßnahme im Ölmühlenweg war zwar bereits genehmigt, musste aber aufgrund nachträglicher verkehrlicher Abstimmungen verschoben werden.

Das zeigt, dass selbst erteilte Genehmigungen nicht automatisch zu einem schnellen Baustart führen.

Senat setzt auf neue Koordinierungsstrategie

Als Lösung verweist der Senat auf die Strategie „Zukunft Tiefbau“. Geplante Maßnahmen verschiedener Leitungsträger sollen künftig früher abgestimmt werden. Außerdem sollen Bauvorhaben stärker gebündelt werden, um wiederholte Aufgrabungen zu vermeiden. Unterstützt werden soll dies durch die digitalen Systeme „ROADS“ und „BauWeiser“.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, bleibt abzuwarten.

Energiewende braucht schnellere Verfahren

Die Antwort des Senats zeigt ein grundsätzliches Problem: Während Politik und Verwaltung den schnellen Ausbau der Stromnetze fordern, bremsen komplexe Genehmigungs- und Koordinierungsverfahren häufig die praktische Umsetzung.

Wenn Hamburg die Energiewende ernst nimmt, müssen Netzprojekte schneller, einfacher und in größeren zusammenhängenden Bauabschnitten umgesetzt werden können. Jeder zusätzliche Abstimmungsschritt kostet Zeit und Geld – und verzögert den dringend benötigten Ausbau der Strominfrastruktur.

Quelle: Bürgerschaftsdrucksache 23/4397 „Stromnetzausbau in Hamburg: Welche Auswirkungen haben Genehmigungs- und Koordinierungsprozesse auf die Effizienz von Netzbaumaßnahmen?“