Wer in Hamburg ein Fundtier findet, soll sich an das Tierheim Süderstraße wenden. Doch was passiert, wenn ausgerechnet dort kein Platz mehr ist? Eine aktuelle Senatsantwort auf meine Schriftliche Kleine Anfrage zeigt: Für mehrere Tierarten bestehen inzwischen erhebliche Aufnahmebeschränkungen.
Aktuell gilt beim Hamburger Tierschutzverein (HTV) eine vorläufige Nichtaufnahme für Reptilien, Tauben, Großpapageien, Aquarientiere und Hausgeflügel. Bei Großpapageien besteht die Einschränkung bereits seit November 2025, bei Hausgeflügel seit Dezember 2025 und bei Aquarientieren seit Januar 2026.
Das ist besonders problematisch, weil die Stadt die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren vertraglich weitgehend über den HTV organisiert. Vereinbart sind Kapazitäten von 120 Plätzen für Hunde, 150 für Katzen – nach der Sanierung sollen es 250 sein – sowie 240 Plätze für Kleintiere. Zusätzlich besteht seit Anfang 2025 ein Vertrag mit einem zweiten Anbieter für Hunde und Katzen. Ein weiteres Tierheim wird bislang lediglich geprüft.
Und wohin mit dem Tier?
Die Antwort des Senats ist bemerkenswert: Kann der HTV ein Fundtier tatsächlich nicht aufnehmen, sollen sich Bürgerinnen und Bürger an jede Polizeidienststelle wenden. Diese setzt sich anschließend mit der zuständigen Behörde in Verbindung.
Feste zusätzliche Kapazitäten für sämtliche betroffenen Tierarten nennt der Senat dagegen nicht. Stattdessen werden nach eigenen Angaben im konkreten Einzelfall „ad hoc“ Unterbringungsmöglichkeiten bei anderen Tierheimen und Einrichtungen in Hamburg oder im Umland organisiert.
Das kann aus meiner Sicht keine dauerhaft tragfähige Struktur sein. Wer ein Fundtier findet, braucht eine klare Anlaufstelle und darf nicht erst herausfinden müssen, ob gerade irgendwo ein Platz organisiert werden kann.
Wie real das Problem ist, zeigen die Zahlen: 2025 konnten nach Kenntnis der zuständigen Behörde drei Hähne und 31 Katzen nicht beim HTV untergebracht werden und mussten anderweitig vermittelt werden. 2026 ist zudem ein Fall einer Schildkröte bekannt, die schließlich bei einer Privatperson untergebracht wurde. Gleichzeitig räumt der Senat ein, dass Polizei, Feuerwehr und Bezirksämter hierzu keine entsprechenden Statistiken führen. Das tatsächliche Ausmaß lässt sich deshalb aus den vorliegenden Zahlen nicht vollständig bestimmen.
Tierschutz braucht verlässliche Strukturen
Dem Hamburger Tierschutzverein kann man kaum vorwerfen, dass seine räumlichen und personellen Möglichkeiten irgendwann erschöpft sind. Die Verantwortung für eine funktionierende Fundtierstruktur liegt letztlich bei der Stadt.
Wenn für verschiedene Tierarten über Monate keine reguläre Aufnahme möglich ist, reicht es nicht, im Einzelfall nach freien Plätzen zu suchen. Hamburg braucht ausreichend Kapazitäten und klare Abläufe für den Fall, dass das Tierheim Süderstraße an seine Grenzen kommt.
Tierschutz darf nicht davon abhängen, ob gerade irgendwo kurzfristig ein freier Platz gefunden wird. Wer ein Tier findet und helfen will, muss sich darauf verlassen können, dass Hamburg eine funktionierende Lösung bereithält.

