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Ungleich verteilt: Zu wenig Arztpraxen in Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne

In Hamburg gibt es Stadtteile mit vielen Arztpraxen und solche, in denen man lange auf Termine warten muss. Besonders schlecht versorgt sind die Stadtteile Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne. Die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg zeigen deutlich: Hier fehlt es an Ärzten – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

In Bramfeld leben über 8.200 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Trotzdem gibt es dort nur eine einzige Kinderarztpraxis. Dort arbeiten sechs Kinderärzte in Teilzeit, was rechnerisch vier Vollzeitstellen ergibt. Damit kommen in Bramfeld auf 1.000 Kinder nur 0,49 Vollzeit-Kinderärzte – ein extrem niedriger Wert.

In Steilshoop sieht es sogar noch schlechter aus. Mit über 4.000 Kindern und Jugendlichen gibt es dort ebenfalls nur eine Kinderarztpraxis mit einem einzigen Arzt. Das bedeutet: 1,0 Vollzeitstelle für 4.043 Kinder, also 0,25 Vollzeit-Kinderärzte pro 1.000 Kinder. Wer dort wohnt und krank wird, hat schlechte Karten, schnell einen Termin zu bekommen. Besonders Familien ohne Auto haben es schwer, wenn sie für jede Untersuchung in andere Stadtteile fahren müssen.

Farmsen-Berne ist von den drei Stadtteilen noch am besten aufgestellt. Bei fast 7.000 Kindern unter 18 Jahren arbeiten dort fünf Kinderärzte in zwei Praxen – das entspricht vier Vollzeitstellen. Das ergibt 0,58 Vollzeit-Kinderärzte pro 1.000 Kinder – doppelt so viel wie in Bramfeld, aber auch noch unter dem städtischen Durchschnitt. Insgesamt sind fünf Ärzte im Stadtteil tätig.

Zum Vergleich: In wohlhabenden Stadtteilen wie Eppendorf oder Winterhude ist die Lage deutlich besser. In Winterhude etwa gibt es vier Kinderarztpraxen mit sieben Ärzten, die zusammen 5,5 Vollzeitstellen abdecken – bei rund 7.700 Kindern sind das 0,72 Vollzeit-Kinderärzte pro 1.000 Kinder. Auch in Eppendorf ist die Versorgung stark: Sechs Kinderärzte mit zusammen 3,5 Vollzeitstellen bei 5.600 Kindern ergeben 0,62 Vollzeit-Kinderärzte pro 1.000 Kinder. Zudem gibt es dort viele weitere Fachärzte – insgesamt mehr als zehn Vollzeitstellen für alle Richtungen.

Diese Unterschiede sind gravierend – und ungerecht. Kinder und Erwachsene in Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne haben deutlich schlechtere Chancen, schnell einen Arzt zu finden. Lange Wartezeiten, weite Wege und überlastete Praxen gehören hier zum Alltag. Dabei leben gerade in diesen Stadtteilen viele Familien, ältere Menschen und Menschen mit wenig Einkommen – also Gruppen, die auf eine gute und wohnortnahe medizinische Versorgung besonders angewiesen sind.

Die Ursache liegt vor allem darin, dass sich Ärzte ihre Standorte frei aussuchen können. Und sie entscheiden sich oft für Stadtteile, in denen sie finanziell besser dastehen, die zentral liegen oder ein besseres Image haben. Für Stadtteile wie Steilshoop oder Bramfeld gibt es kaum Anreize. Die wenigen Förderprogramme reichen nicht aus, um diesen Nachteil auszugleichen.

Es ist dringend Zeit zu handeln. Die Stadt Hamburg und die Kassenärztliche Vereinigung müssen gezielt etwas tun, damit sich mehr Ärzte in diesen unterversorgten Gebieten niederlassen. Denkbar sind mehr finanzielle Anreize, weniger Bürokratie, gemeinsame Praxen oder Gesundheitszentren mit mehreren Fachrichtungen. Auch mobile Angebote könnten helfen, die Lücke zu schließen.

Eines ist klar: Gesundheit darf keine Frage der Postleitzahl sein. Jeder Mensch in Hamburg sollte die gleichen Chancen auf medizinische Versorgung haben – egal, ob er in Winterhude oder in Steilshoop wohnt.

📄 Quelle: Drucksache 23/356 der Hamburgischen Bürgerschaft, Stand 01.01.2025