Das Großprojekt VERA II von HAMBURG WASSER steht erneut in der Kritik. Neue Senatsantworten zeigen, dass weiterhin erhebliche finanzielle Risiken bestehen. Gleichzeitig wurde nun erstmals eine externe Prüfung der Projektorganisation beauftragt – genau das, was die CDU bereits seit längerem gefordert hatte.
Projektkosten bereits bei rund 300 Millionen Euro
Allein das Projekt VERA II kostet derzeit rund 300 Millionen Euro. Dabei handelt es sich lediglich um die reinen Projektkosten. Hinzu kommen weitere Nebenleistungen und Folgekosten, die nicht vollständig Bestandteil dieser Summe sind.
Besonders problematisch ist dabei die aktuelle Entwicklung bei den Nachtragsforderungen der beteiligten Unternehmen. Sollten diese Forderungen vollständig anerkannt werden, würde der Preis nach derzeitiger Einschätzung noch einmal um mehr als zehn Prozent steigen.
Bei einem Projekt dieser Größenordnung würde dies zusätzliche Kosten im hohen zweistelligen Millionenbereich bedeuten.
Senat bestätigt Kostenrisiko von über 36 Millionen Euro
Der Senat selbst räumt inzwischen ein, dass erhebliche finanzielle Risiken bestehen. In der Antwort heißt es wörtlich: „Die Risiken aus den nicht abgeschlossen Nachtragsverhandlungen gehen in der Gesamtposition für die Kostenrisiken auf. Dieses Kostenrisiko wurde im VERA II Lenkungskreis im Februar 2026 mit 36,5 Mio. Euro festgestellt.“
Damit droht dem Projekt eine weitere massive Kostensteigerung. Die Kosten sind am Ende von den Gebührenzahlern zu leisten.
CDU-Forderung nach externer Untersuchung wird umgesetzt
Bereits seit längerem hatte die CDU gefordert, die Projektorganisation und das Projektmanagement bei HAMBURG WASSER unabhängig untersuchen zu lassen. Diese Forderung wurde damals von der rot-grünen Koalition noch abgelehnt. Nun wird genau diese Untersuchung umgesetzt.
Der Senat bestätigt: „Die Geschäftsführung von HW hat die Unternehmensberatung Roland Berger zu einer Prüfung der Projektorganisation des Projekts VERA II im Dezember 2025 angefragt. Die Beauftragung erfolgte im Januar 2026.“ Untersucht werden sollen laut Senat: „organisatorische und prozessuale Vorgänge sowie Vorgänge zum Projektmanagement“. Die Ergebnisse sollen Ende März 2026 vorliegen.
Prüfauftrag weiterhin unklar
Trotz der Beauftragung bleibt unklar, wie tief die Untersuchung tatsächlich geht. Der konkrete Prüfauftrag von Roland Berger wurde bislang nicht öffentlich gemacht. Offen ist insbesondere:
- welche konkreten Entscheidungen im Projekt überprüft werden,
- welche Personen oder Organisationseinheiten betrachtet werden,
- und ob mögliche Fehlentscheidungen im Projektmanagement bewertet werden.
Haftungsfrage bleibt offen
Besonders brisant ist eine weitere Passage der Senatsantwort. Dort heißt es: „Eine Prüfung möglicher Regressansprüche gegenüber Projektverantwortlichen oder extern Beteiligter ist nicht erfolgt.“ Das bedeutet: Ob möglicherweise Schadenersatzansprüche gegen Verantwortliche bestehen könnten, wurde bislang überhaupt nicht untersucht.
Angesichts eines Projektes mit Kosten von rund 300 Millionen Euro und einem zusätzlichen Risiko von mehr als 36 Millionen Euro wirft das erhebliche Fragen auf.
Aufklärung dringend notwendig
Die nun eingeleitete externe Prüfung ist ein wichtiger Schritt. Allerdings kommt sie spät. Viele zentrale Entscheidungen im Projekt liegen Jahre zurück. Fest steht: Das Projekt kostet bereits rund 300 Millionen Euro. Weitere Kostensteigerungen von mehr als zehn Prozent stehen im Raum. Der Senat bestätigt ein Kostenrisiko von 36,5 Millionen Euro.
Eine mögliche Haftung von Verantwortlichen wurde bislang nicht geprüft. Damit bleibt die zentrale Frage weiterhin offen: Wer trägt die Verantwortung, wenn sich die Risiken am Ende tatsächlich realisieren? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die externe Untersuchung für echte Aufklärung sorgt – oder ob der politische Druck weiter steigen wird.

