Eigentlich sollte das Projekt VERA II bei Hamburg Wasser ein Vorzeigeprojekt werden – modernste Klärschlammbehandlung, nachhaltige Energiegewinnung, sichere Entsorgung für Hamburg. Doch statt Fortschritt und Transparenz herrschen inzwischen Misstrauen, widersprüchliche Aussagen und ein wachsender politischer Streit.
Von der Hoffnung zum Skandal?
Nachdem die Kostenentwicklungen immer unklarer wurden, beantragte die CDU-Fraktion ein Aktenersuchen. Kurz darauf wurde die Geschäftsführung von Hamburg Wasser freigestellt. Aus internen Quellen hieß es, die BUKEA habe neue Informationen erhalten, die ihr zuvor nicht bekannt waren. Doch auf die entscheidende Frage, welche neuen Erkenntnisse dies gewesen sein sollen, antwortete der Senat trocken: „Es habe keine neuen Erkenntnisse gegeben.“
Ein Widerspruch, der fassungslos macht. Wie kann es sein, dass eine Geschäftsführung von heute auf morgen freigestellt wird – angeblich ohne neue Fakten?
Interne Mails, verschwiegene Risiken
Brisant ist zudem: Interne Mails, die der CDU zugespielt wurden, belegen, dass Risiken längst bekannt waren. Im offiziellen Aktenersuchen tauchten diese Unterlagen jedoch nicht auf – mit der Begründung, interner Mailverkehr müsse nicht herausgegeben werden. Dieses Vorgehen wirft erhebliche Zweifel an der Transparenz des gesamten Prozesses auf.
Antworten, die keine sind
Die Schriftliche Kleine Anfrage (Drs. 23/1374) offenbarte weitere Widersprüche und Ausflüchte:
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Falschaussage 2021: Die Geschäftsführung erklärte, die Klärschlammübernahme müsse ab 1. Januar 2027 starten. Tatsächlich war dies nur ein Zieltermin (Antwort 20). Für die Gremien, die über Millioneninvestitionen entscheiden, ist das ein gravierender Unterschied.
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Freistellung ohne Aufklärung: Warum die Geschäftsführung gehen musste – und welche Zusatzkosten dadurch entstehen – blieb unbeantwortet (Antwort 12, 15).
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Kostenverschiebung zulasten der Bürger: Hamburg Wasser übernahm 2,1 Mio. € Mehrkosten aufgrund gestiegener Preise (Antwort 7). Normalerweise trägt solche Risiken der Auftragnehmer. Hier zahlen am Ende die Bürgerinnen und Bürger über höhere Gebühren.
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Lenkungsausschuss fragwürdig: In früheren Drucksachen war von einem „Lenkungsausschuss“ die Rede. Nun musste eingeräumt werden: Einen solchen gibt es erst seit 2025 (Antwort 1).
Politischer Druck wächst
Immer deutlicher wird: Der Aufsichtsrat wurde offenbar nicht umfassend informiert. Die BUKEA mauert statt aufzuklären. Und die Kostenrisiken werden ohne Rücksicht auf die Gebührenzahler verschoben. Das Vertrauen in das Projekt VERA II steht damit auf dem Spiel.
Hoffnung auf neuen Kurs
Ein letzter Hoffnungsschimmer bleibt: Die neue Umweltsenatorin Katharina Fegebank hat zugesichert, im Rahmen des Aktenersuchens alle erforderlichen Unterlagen vorzulegen. Sollte diese Zusage eingehalten werden, könnte dies ein erster Schritt sein, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und endlich echte Transparenz in das Projekt zu bringen.

