Die aktuelle Verkehrssicherheitsbilanz für das Jahr 2025 zeigt ein widersprüchliches Bild: Während einzelne Kennzahlen auf den ersten Blick eine positive Entwicklung nahelegen, offenbaren die Details erhebliche Risiken – insbesondere für die schwächsten Verkehrsteilnehmer.
Zwar ist die Zahl der Verkehrstoten deutlich gesunken, gleichzeitig bleibt die Gesamtzahl der Unfälle nahezu unverändert hoch. Besonders besorgniserregend ist, dass mehr Menschen bei Unfällen verletzt wurden – und zwar vor allem Radfahrer, Fußgänger sowie Nutzer von Elektrokleinstfahrzeugen wie E-Scootern.
Schwächste Verkehrsteilnehmer besonders gefährdet
Ein Blick auf die Entwicklung zeigt deutliche Warnsignale:
- Die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer ist auf 11 gestiegen – ein historischer Höchststand.
- Verkehrsunfälle mit Kindern nahmen um fast 20 Prozent zu, die Zahl der verletzten Kinder sogar um über 25 Prozent.
- Auch bei Senioren steigt die Zahl der Verletzten spürbar an.
- Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen sind massiv gestiegen (+22,7 %), ebenso die Zahl der verunglückten Fahrer.
Diese Entwicklung zeigt: Weniger Autoverkehr allein führt nicht automatisch zu mehr Sicherheit. Trotz politischer Schwerpunktsetzung auf Verkehrsverlagerung bleiben zentrale Risiken bestehen – und nehmen in einigen Bereichen sogar zu.
Infrastruktur und Regeln halten nicht Schritt
Die steigenden Unfallzahlen bei Radfahrern, E-Scooter-Nutzern und Fußgängern machen deutlich, dass Infrastruktur, Verkehrsführung und klare Regeln mit der Realität auf Hamburgs Straßen nicht Schritt halten.
Unfälle entstehen weiterhin vor allem durch:
- Fehler beim Abbiegen
- Vorfahrtsverletzungen
- Rotlichtverstöße
- mangelnden Abstand und Geschwindigkeit
Gerade ungeschützte Verkehrsteilnehmer tragen dabei das größte Risiko. Zwei Drittel der tödlich Verunglückten gehören zu dieser Gruppe.
Neue Mobilität bringt neue Risiken
Die zunehmende Nutzung von E-Scootern und E-Bikes verändert den Straßenverkehr spürbar. Gleichzeitig steigen damit auch die Unfallzahlen. Besonders auffällig ist der hohe Anteil selbst verursachter Unfälle bei E-Scooter-Fahrern sowie der wachsende Anteil älterer Menschen, die mit elektrisch unterstützten Fahrrädern unterwegs sind und häufiger in Unfälle verwickelt werden.
Hinzu kommt: Schulwegunfälle sind um 40 Prozent gestiegen. Gerade hier zeigt sich, dass Prävention und sichere Verkehrsführung noch nicht ausreichend greifen.
Sicherheit braucht mehr als Symbolpolitik
Die Bilanz zeigt deutlich, dass punktuelle Verbesserungen nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass strukturelle Probleme bestehen bleiben. Eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssicherheit erfordert:
- klare Verkehrsführung
- sichere Infrastruktur
- verlässliche Abläufe
- konsequente Maßnahmen zum Schutz der Schwächsten
Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass Hamburg bei der Verkehrssicherheit vor großen Herausforderungen steht. Wer Mobilitätswende ernst meint, muss auch Sicherheit konsequent mitdenken – für Kinder, Senioren, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen.

