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Verzögerung beim FTV-Neubau: Aus 2027 wird 2028 – und die Enttäuschung wächst

Beim Festakt zum 100-jährigen Jubiläum des Farmsener Turnvereins (FTV) wurde nicht nur gefeiert. Zwischen Ehrungen, Dankesworten und einem beeindruckenden Programm wurden auch Informationen bekannt, die viele Mitglieder und Gäste fassungslos zurückließen.

Der Vorstand des FTV hatte eine großartige Veranstaltung auf die Beine gestellt. Zahlreiche Sportlerinnen und Sportler wurden für herausragende Leistungen ausgezeichnet. Der Verein erhielt Geschenke und Anerkennung, unter anderem vom DFB sowie von der Alexander Otto Sportstiftung, die 10.000 Euro für den Anschluss des Lehrschwimmbeckens am Bramfelder Weg an das Fernwärmenetz bereitstellt.

Doch ein Thema überschattete die Feier: die erneute Verzögerung des geplanten Neubaus des Vereins- und Stadtteilzentrums.

Aus 2027 wird nun 2028

In seiner Rede erklärte Sportstaatsrat Holstein, dass die Fertigstellung des Neubaus nun für das Jahr 2027 vorgesehen sei. Bereits diese Aussage sorgte für ein hörbares Raunen im Saal.

Der Grund: Nach den bisherigen Planungen hätten die Bauarbeiten eigentlich bereits in diesem Sommer beginnen sollen. Für den Umzug der Geschäftsstelle wurden sogar bereits Container aufgestellt.

Doch später am Abend folgte die nächste Überraschung.

Finanzsenator Dressel, der den erkrankten Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff vertrat, sprach offen aus, womit viele bereits gerechnet hatten: Die Fertigstellung werde sich nun voraussichtlich auf das Jahr 2028 verschieben.

Als Ursache nannte er die weiterhin fehlende Baugenehmigung. Gleichzeitig versprach er nach eigenen Worten „vor Zeugen“, dass die durch die Verzögerungen entstehenden Mehrkosten von der Stadt übernommen werden sollen. Denn jede weitere Verschiebung treibt die Baukosten weiter nach oben.

Zehn Jahre Planung – und noch immer keine Baugenehmigung

Besonders bitter ist die Situation deshalb, weil über das Projekt inzwischen seit rund zehn Jahren gesprochen, geplant und verhandelt wird.

Trotz dieser langen Vorlaufzeit liegt die notwendige Baugenehmigung bis heute nicht vor.

Der Senat nennt dafür verschiedene Gründe:

  • Nachforderungen bei der Grundstücksentwässerung,
  • Abstimmungen mit Nachbarn,
  • Klärungen mit dem Sondervermögen Schulimmobilien und Schulbau Hamburg,
  • offene Fragen zu Stellplätzen.

All diese Punkte sind bei Bauprojekten nicht ungewöhnlich. Umso mehr stellt sich die Frage, warum diese Themen offenbar erst jetzt im Genehmigungsverfahren zu erheblichen Verzögerungen führen.

Kein Zeitplan, keine Verlässlichkeit

Besonders problematisch ist, dass zwar eingeräumt wird, dass der bisherige Zeitplan nicht mehr haltbar ist, gleichzeitig aber lange Zeit kein belastbarer neuer Zeitplan vorgelegt wurde.

Fest steht inzwischen:

  • Der ursprünglich geplante Abriss ist nicht erfolgt.
  • Die Fertigstellung bis 2027 ist nicht mehr realistisch.
  • Nun wird bereits über 2028 gesprochen.

Für den Verein bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit.

Während Verwaltung und Behörden weiter prüfen und abstimmen, muss der FTV seine Übergangslösungen organisieren und vorbereiten, ohne genau zu wissen, wann es tatsächlich losgeht.

Erinnerungen an das Lehrschwimmbecken werden wach

Viele Vereinsmitglieder fühlen sich inzwischen an das Lehrschwimmbecken Farmsen erinnert.

Auch dort kam es zu jahrelangen Verzögerungen und erheblichen Kostensteigerungen. Aus ursprünglich rund sechs Millionen Euro wurden mittlerweile etwa 21 Millionen Euro. Die Fertigstellung verschob sich ebenfalls immer weiter nach hinten.

Die Sorge vieler Mitglieder ist deshalb nachvollziehbar: Wiederholt sich hier dieselbe Geschichte?

Große Enttäuschung bei den Mitgliedern

Am Rande der Veranstaltung habe ich mit zahlreichen Mitgliedern gesprochen.

Die Stimmung war eindeutig.

Viele können nicht verstehen, wie ein Projekt dieser Bedeutung nach zehn Jahren Vorbereitung noch immer nicht über eine Baugenehmigung verfügt. Viele fühlen sich hingehalten. Jahrelang wurden Termine genannt, Erwartungen geweckt und Hoffnungen gemacht. Nun steht plötzlich das Jahr 2028 im Raum.

Diese Enttäuschung war deutlich spürbar.

Fragen an die politische Verantwortung

Die erneuten Verzögerungen werfen zwangsläufig auch Fragen nach der Steuerung solcher Projekte auf.

Immer wieder geraten wichtige Vorhaben im Bezirk ins Stocken. Zeitpläne werden nicht eingehalten, Genehmigungen ziehen sich über Jahre hin und die betroffenen Vereine bleiben mit der Unsicherheit zurück.

Dabei geht es beim FTV nicht um irgendein Bauprojekt. Der Verein ist eine zentrale Säule des Sports und des gesellschaftlichen Lebens in Farmsen-Berne.

Besonders unglücklich wirkte auf viele Gäste auch die Abwesenheit des Bezirksamtsleiters Thomas Ritzenhoff bei der Bekanntgabe der neuen Verzögerungen. Während er am Morgen noch beim Test des neuen Lehrschwimmbeckens vor Ort war, ließ er sich für den Festakt am Abend krankheitsbedingt entschuldigen. Selbstverständlich steht niemandem eine Bewertung einer Erkrankung zu. Dennoch wurde dieser Umstand von vielen Anwesenden als äußerst unglücklich wahrgenommen – insbesondere weil gerade an diesem Abend die nächste Verschiebung öffentlich wurde.

Der FTV verdient endlich Verlässlichkeit

Der Neubau des Vereins- und Stadtteilzentrums ist wichtig, notwendig und längst überfällig.

Nach zehn Jahren Planung darf die Diskussion jedoch nicht mehr darum gehen, warum die Baugenehmigung noch immer fehlt. Sie sollte längst erteilt sein.

Die Mitglieder des FTV haben in den vergangenen Jahren viel Geduld bewiesen. Nun erwarten sie zu Recht klare Entscheidungen, einen verbindlichen Zeitplan und endlich sichtbare Fortschritte.

Denn eines wurde beim Jubiläum deutlich: Die Begeisterung für den Verein ist ungebrochen. Die Geduld vieler Mitglieder dagegen nähert sich ihrem Ende.

Quelle: Drucksache 23/3852