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Viel Gerede, wenig Fisch – wie der Senat den Gewässerschutz schönredet

Hamburg gibt sich gern grün, modern und umweltbewusst. Doch wer genauer hinschaut, erkennt ein altbekanntes Muster: große Worte, teure Maßnahmen – und am Ende kaum Wirkung. Besonders deutlich wird das beim Schutz der Wanderfische in Alster und Bille. Hier zeigt sich, wie Umweltpolitik zur reinen Selbstberuhigung verkommt.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, wann Meerforellen, Aale und Neunaugen wandern. Diese Zeitfenster sind keine geheimnisvolle Naturmagie, sondern in Fachbüchern, Studien und in anderen Bundesländern glasklar dokumentiert. Trotzdem erklärt der Senat sinngemäß: Man könne das nicht genau vorhersagen – und lässt es deshalb gleich ganz bleiben. Kein gezieltes Monitoring, keine systematischen Kontrollen, kein echtes Interesse daran, ob die Tiere überhaupt ankommen. Wer nicht hinschaut, muss auch nichts erklären.

Gleichzeitig fließen Jahr für Jahr enorme Summen in Fischaufstiegsanlagen und Besatzprogramme. Hunderttausende Meerforellen werden ausgesetzt – doch ob sie jemals zurückkehren, weiß niemand. Nicht etwa, weil es technisch unmöglich wäre, sondern weil man es schlicht nicht überprüft. Der Senat sagt offen: Rückkehrerquoten wurden nie ermittelt. Das ist ungefähr so, als würde man jahrelang eine Brücke bauen, ohne zu prüfen, ob sie ein Auto trägt.

Besonders absurd ist die Situation an der Rathausmarktschleuse. Auf dem Papier gilt sie als „durchgängig“. In der Realität aber kommen die entscheidenden Fischarten dort kaum oder gar nicht durch. Trotzdem hält der Senat an der Bewertung fest. Nach dem Motto: Wenn wir es oft genug behaupten, wird es schon stimmen. Dass damit alle weiteren Maßnahmen flussaufwärts praktisch wirkungslos sind, wird ausgeblendet.

Statt pragmatische, günstige Lösungen wenigstens zu testen – etwa zusätzliche Schleusenöffnungen zu Zeiten ohne Schiffsverkehr – wird lieber abgewunken. Nicht zielführend, heißt es. Geprüft? Nein. Ausprobiert? Auch nicht. Aber abgelehnt.

Am Ende bleibt die Behauptung, Hamburg erfülle seine Umweltziele „kontinuierlich“. Das klingt gut, hält aber der Realität nicht stand. Wenn Leitarten fehlen, niemand genau hinschaut und Erfolge nicht gemessen werden, dann ist das kein Gewässerschutz. Das ist Verwaltungsökologie: viel Papier, wenig Leben.

Hamburg braucht keinen weiteren Bericht, keine neue Ausrede und kein weiteres Prestigeprojekt. Hamburg braucht Ehrlichkeit. Entweder man will wissen, ob Umweltmaßnahmen wirken – oder man hört auf, so zu tun, als würden sie es. Für die Fische macht dieser Unterschied alles.