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Viel Klimakonzept, wenig Wirkung: Hamburgs Bezirke bleiben hinter eigenen Zielen zurück

Alle sieben Hamburger Bezirksämter verfügen mittlerweile über sogenannte „Integrierte Klimaschutzkonzepte“ (IKK). Klingt ambitioniert – doch der Blick hinter die Kulissen offenbart ein ernüchterndes Bild: Konkrete CO₂-Einsparziele? Fehlanzeige. Belastbare Angaben zur tatsächlichen CO₂-Reduktion? Nicht möglich, so die offizielle Antwort des Senats. Die Begründung: Die Bilanzierung sei zu komplex (23-00728).

Millionenmittel bereitgestellt – aber oft nicht abgerufen

In den Jahren 2023, 2024 und 2025 wurden den Bezirken erhebliche Mittel für die Umsetzung der Klimakonzepte zur Verfügung gestellt. Die tatsächliche Verwendung zeigt jedoch große Unterschiede – und teils mangelnden Mittelabruf.

Auszug aus der Klimaplanfinanzierung (Stand 25.06.2025):

Bezirk 2023 abgerufen 2024 abgerufen 2025 abgerufen (bisher)
Hamburg-Mitte 358 Tsd. € 334 Tsd. € 0 €
Altona 72 Tsd. € 188 Tsd. € 94 Tsd. €
Eimsbüttel 218 Tsd. € 253 Tsd. € 0 €
Hamburg-Nord 109 Tsd. € 193 Tsd. € 0 €
Wandsbek 117 Tsd. € 76 Tsd. € 0 €
Bergedorf 93 Tsd. € 24 Tsd. € 10 Tsd. €
Harburg 35 Tsd. € 123 Tsd. € 95 Tsd. €

 

Quelle: Anlage 3 zu Drs. 23/728

Große Summen – aber viele Mittel bleiben ungenutzt

Ein Blick in die detaillierte Mittelverwendung (Anlage 4 zu Drs. 23/728) zeigt: Zwar wurden für zahlreiche Maßnahmen Mittel beantragt und teils auch bewilligt – doch ein signifikanter Teil dieser Gelder wird nicht abgerufen.

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Weitere Informationen

Beispiel: Energetische Sanierung öffentlicher Gebäude

In fast allen Bezirken wurden über mehrere Jahre hinweg Millionenmittel für energetische Sanierungen beantragt und bewilligt – doch vielfach nicht verwendet.

  • Wandsbek beantragte im Jahr 2025 allein 2,45 Millionen Euro, von denen bis Mitte 2025 kein Cent abgerufen wurde.

  • Eimsbüttel erhielt 2023 135.000 € für energetische Sanierungen – und konnte diese Summe immerhin vollständig abrufen. Im Jahr 2024 wurden sogar 93.000 € abgerufen – ein Ausreißer nach oben.

  • Bergedorf erhielt 2023 172.000 €, nutzte diese auch vollständig – doch 2024 blieben die Mittel nahezu ungenutzt.

Auch andere Projekte wie Photovoltaik-Anlagen oder klimafreundliche Mobilitätskonzepte zeigen ein ähnliches Muster: Die Finanzierung steht, doch die Umsetzung stockt.

Energetische Sanierung – ambitioniert geplant, kaum umgesetzt

Die Bezirke haben mittlerweile übergreifend sogenannte „Sanierungsfahrpläne“ für ihre eigenen Gebäude erstellt. Doch auch hier bleibt vieles Stückwerk: Wie viele Gebäude bereits konkret energetisch saniert wurden, ist nicht bezirksscharf aufgeschlüsselt. Klar ist nur: Die vollständige Umsetzung der Sanierungskonzepte würde das aktuelle Klimabudget von 14 Millionen Euro deutlich übersteigen – weshalb die Maßnahmen bislang nicht aus dem Klimaplan finanziert werden.

Die Folge: Zwar wurden Konzepte erstellt, eine Umsetzung erfolgt in vielen Fällen jedoch nicht. Die Finanzierung soll nun über Einzelpläne und Bundesförderprogramme erfolgen – sofern diese tatsächlich beantragt werden.

Fördermittelakquise – keine Gesamtübersicht, keine Transparenz

Ein weiteres Problem: Die Klimabeauftragten der Bezirke sollen eigentlich auch Fördermittel von EU und Bund einwerben. Doch eine zentrale Übersicht dazu existiert nicht. Die Bezirksämter führen keine Statistik, die Antragsverfahren laufen dezentral in den Fachämtern. Eine Bilanz über den Erfolg dieser wichtigen Aufgabe: Fehlanzeige.

Öffentlichkeitsarbeit – gut gemeint, schlecht sichtbar

Die Klimabeauftragten sollen laut Senat auch für Bürgerinformationen und Öffentlichkeitsarbeit zuständig sein. In der Praxis sieht das anders aus: Viele der bezirklichen Klimaseiten sind nur schwer auffindbar, konkrete Beratungsangebote sind kaum präsent. Eine strukturierte Auflistung der durchgeführten Öffentlichkeitsmaßnahmen fehlt. Auch hier wird auf die „Nichtleistbarkeit der Auswertung“ verwiesen.

Personalaufbau ohne Strategie?

Die Zahl der Klimaplanstellen wurde in den letzten Jahren zwar kontinuierlich erhöht – von 29,78 VZÄ (Vollzeitäquivalente) Ende 2022 auf 37,03 VZÄ Mitte 2025. Doch die Frage bleibt: Welche Wirkung erzielen diese Stellen konkret?

Bezirk VZÄ 2022 VZÄ 2023 VZÄ 2024 VZÄ 2025
Hamburg-Mitte 3,78 4,17 5,12 4,89
Altona 4,77 4,15 3,62 4,00
Eimsbüttel 4,18 4,21 4,13 4,13
Hamburg-Nord 5,30 5,30 4,90 6,97
Wandsbek 3,00 4,50 5,00 5,77
Bergedorf 4,75 4,90 7,00 7,80
Harburg 4,00 3,00 2,85 3,47

Quelle: Anlage 5 zu Drs. 23/728

Bürger und Bürgerinnen werden über die Homepages der Klimastellen des jeweiligen Bezirksamtes informiert:

Wie viele Wallboxen haben die jeweiligen Bezirksämter angeschafft?

 

Bezirksamt Anzahl der Wallboxen
Hamburg-Mitte 19
Altona 0
Eimsbüttel 18
Hamburg-Nord 0
Wandsbek 11
Bergedorf 12
Harburg 0

Klimaschutz in Hamburg: Viele Beauftragte, wenig Wirkung

Die Analyse der bezirklichen Klimaarbeit zeigt ein ernüchterndes Bild: Es wurde viel geplant, geschrieben und beantragt – aber zu selten umgesetzt. Viele Maßnahmen stecken im Konzeptstadium fest. Die bereitgestellten Millionen bleiben teilweise unangetastet. Öffentlichkeitsarbeit verläuft im Sande, Fördermittel werden kaum transparent bilanziert.

Besonders deutlich wird das strukturelle Problem bei den sogenannten Klimabeauftragten: In allen Bezirken arbeiten sie an Konzepten zur Umsetzung in den jeweiligen Gebäuden der Bezirksämter  – ein Thema, das zentral koordiniert werden könnte. Statt ein einheitliches Grundkonzept zu entwickeln, das um regionale Besonderheiten ergänzt wird, wird in jedem Bezirk das Rad neu erfunden. Eine teure Doppelstruktur ohne Effizienzgewinn.

Gleichzeitig schaffen es viele Bezirke nicht einmal, die eigenen Gebäude mit Photovoltaikanlagen auszustatten – obwohl genau dafür Personal vorhanden wäre. Kein Bezirk hat eine vollständige PV-Potenzialanalyse für alle Gebäude vorliegen. Ein Trauerspiel. Dafür können die engagierten Beauftragten meist wenig – verantwortlich sind die jeweiligen Bezirksamtsleitungen. Denn wir wissen alle: Der Fisch stinkt vom Kopf her.

Wer glaubwürdigen Klimaschutz will, muss endlich liefern – nicht nur planen. Der Senat und die Bezirke müssen jetzt handeln: Konzepte bündeln, Prioritäten setzen, Mittel effizient abrufen und endlich sichtbar machen, was konkret passiert – oder eben nicht. Der aktuelle Zustand ist ein Dokument der Unverbindlichkeit. Es braucht eine koordinierte, zentral gesteuerte Klimaschutzstrategie für alle Bezirke – alles andere ist Ressourcenverschwendung.

Die Bürger haben ein Recht auf echten Fortschritt – nicht auf PowerPoints in Endlosschleife.