Der Fußweg zwischen der Richeystraße und der Heinrich-Helbing-Straße ist für viele Kinder ein täglicher Schulweg – zur Grundschule Heinrich-Helbing-Straße, zur Stadtteilschule Helmuth-Hübener und für zahlreiche Jugendliche weiter zur U-Bahn Richtung Habichtstraße oder Barmbek. Tausende nutzen ihn jedes Jahr. Und trotzdem bleibt dieser Weg: dunkel. Seit Jahren.
Andere Bezirke schaffen es längst, sensible Wege sicherer zu machen – mit moderner, insektenfreundlicher Beleuchtung und abgestimmten Zeitfenstern, wie im Altonaer Volkspark. Nur für Bramfeld und Steilshoop gilt offenbar ein anderer Maßstab. Das ist weder nachvollziehbar noch vermittelbar.
Dabei geht es nicht um irgendeinen Waldweg, sondern um eine wichtige Verbindung im Alltag unserer Kinder. Für den Laien ist dieser Abschnitt nicht einmal von den übrigen Wegen entlang der Seebek zu unterscheiden – und ein Teil des Appelhoff-Weges ist ja sogar bereits beleuchtet. Nur genau dort, wo Kinder jeden Morgen entlanggehen, bleibt es dunkel. Wer soll das verstehen?
Der Senat verweist auf Naturschutzargumente. Ja, die Seebek ist ein wertvoller Naturraum. Ja, es gibt Fledermäuse und Insekten, die geschützt werden müssen. Aber: Warum funktioniert in Altona, was hier nicht einmal geprüft wird?
Dort zeigt ein Gutachten, dass insektenfreundliche, zeitlich begrenzte Beleuchtung ohne Schaden möglich ist. Technik, die genau für solche Situationen entwickelt wurde. Abgestufte Beleuchtungszeiten, reduzierte Masten, warme Lichtfarben – all das funktioniert. Nur bei uns soll es plötzlich nicht gehen?
Und es wird noch absurder: Nördlich der Richeystraße ist der Weg bereits beleuchtet – offenbar ohne naturschutzrechtliche Katastrophen. Am Appelhoffweiher steht ebenfalls Beleuchtung. Aber ausgerechnet die entscheidenden Abschnitte, die Schulweg und U-Bahn-Zugang verbinden, sollen naturrechtlich unantastbar sein? Das wirkt willkürlich und widersprüchlich.
Hinzu kommt: Der Senat gibt offen zu, dass er die Kosten für eine Beleuchtung gar nicht erst berechnet hat. Man lehnt ab, ohne überhaupt zu wissen, wie teuer oder günstig eine insektenfreundliche Lösung wäre. So sieht keine ernsthafte Abwägung zwischen Natur- und Schulwegsicherheit aus.
Natürlich brauchen wir Naturschutz. Aber wir brauchen auch sichere Wege für Kinder. Beides ist möglich – wenn man es denn will.
Dass die Verwaltung stattdessen auf „zumutbare Ausweichrouten“ verweist, zeigt, wie weit die Realität des Alltags vieler Familien von der theoretischen Betrachtung entfernt ist. Schulwege sollen nicht Umwege sein müssen. Und Sicherheit darf nicht vom Zufall abhängen, ob ein Kind früher losläuft oder ein Handylicht dabei hat.
Der Appell an den Senat ist klar: Schaut euch die Situation vor Ort an. Nutzt die Erfahrungen aus Altona. Prüft echte Alternativen. Und sorgt dafür, dass Kinder aus Bramfeld und Steilshoop frühmorgens nicht länger im Dunkeln laufen müssen.
Unsere Stadt kann es besser – und unsere Kinder haben Anspruch darauf.
Quelle: Drucksache 23-02080

