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100 Millionen Euro für Steilshoop? Die große Zahl erzählt nur die halbe Wahrheit

Die Finanzbehörde verkündet mehr als 100 Millionen Euro Investitionen in Steilshoop seit 2011. Das klingt zunächst beeindruckend – und ohne Frage ist jede Investition in unseren Stadtteil wichtig und richtig. Gerade die neue Sportanlage für den 1. FC Hellbrook und die Sanierung der Sporthalle am Gropiusring sind gute Nachrichten.

Doch wer mit einer Summe von mehr als 100 Millionen Euro wirbt, sollte auch sagen, was darin eigentlich alles zusammengerechnet wird.

Allein 47,6 Millionen Euro – und damit fast die Hälfte der gesamten genannten Summe – entfallen auf den Neubau des Campus Steilshoop beziehungsweise die Schule am See. Hinzu kommen 8,5 Millionen Euro für die Sanierung der dortigen Sporthalle. Damit steckt bereits mehr als die Hälfte der angeblichen 100-Millionen-Investitionen allein in Schule und Schulsport.

Auch Kita-Maßnahmen werden eingerechnet. Ebenso Busbeschleunigung, Velorouten, einzelne Straßenbaumaßnahmen und sogar kleinere Posten wie ein Krippenwagen für 1.700 Euro, eine Küche für das Haus der Jugend für 11.000 Euro oder Reparaturen und Wegebauarbeiten.

Besonders bemerkenswert: Selbst Investitionen rund um den Bramfelder See und den Friedhof Ohlsdorf werden der großen Steilshoop-Bilanz zugeschlagen.

Das alles sind sinnvolle Maßnahmen. Aber daraus die Botschaft abzuleiten, mehr als 100 Millionen Euro seien in die Entwicklung Steilshoops investiert worden und der Stadtteil habe deshalb bereits eine beeindruckende Entwicklung genommen, greift deutlich zu kurz.

Denn wer durch Steilshoop geht, sieht auch die andere Seite.

Das Einkaufszentrum wartet weiterhin auf die dringend notwendige Sanierung und Entwicklung. Gehwege und öffentliche Flächen sind an vielen Stellen in einem schlechten Zustand. Bei Sicherheit und sozialer Stabilisierung besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.

Gerade nach den Vorfällen der vergangenen Zeit brauchen wir mehr Präsenz und mehr Prävention. Dass eine Polizeiwache in Steilshoop kommen soll, ist ein wichtiger Schritt. Aber Sicherheit entsteht nicht allein durch Polizei.

Steilshoop braucht mehr Streetworker. Ein Streetworker für einen Stadtteil dieser Größe und mit den bestehenden Herausforderungen reicht definitiv nicht aus. Wir brauchen Menschen, die Jugendliche erreichen, Vertrauen aufbauen und dauerhaft vor Ort ansprechbar sind.

Genauso brauchen wir mehr Angebote für Kinder und Jugendliche. Dazu gehört für mich auch, dass der im Zuge der U5-Bauarbeiten weggefallene Skateplatz wieder einen Ersatz bekommt. Wer solche Flächen für Jugendliche wegnimmt, muss dafür sorgen, dass gleichwertige Angebote zurückkommen.

Deshalb freue ich mich über jede neue Sportanlage und jeden Euro, der tatsächlich in Steilshoop ankommt. Die 15,5 Millionen Euro für die beiden Sportprojekte sind wichtig und ein Gewinn für den Stadtteil.

Aber eine große Gesamtsumme allein macht noch keine erfolgreiche Stadtteilentwicklung.

Entscheidend ist, was die Menschen vor ihrer Haustür erleben: ein funktionierendes Einkaufszentrum, sichere und intakte Gehwege, gute Aufenthaltsorte, ausreichend Angebote für Jugendliche, soziale Unterstützung und Sicherheit im Quartier.

Dafür werden wir weiter kämpfen: für die Sanierung und Entwicklung des Einkaufszentrums, für vernünftige Gehwege, für mehr Streetworker und Jugendangebote, für den Ersatz des Skateplatzes und dafür, dass die angekündigte Polizeiwache tatsächlich kommt.

Steilshoop hat in den vergangenen Jahren viel bekommen. Aber Steilshoop braucht auch weiterhin viel. Eine Zahl von 100 Millionen Euro darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass zentrale Probleme des Stadtteils noch immer ungelöst sind.