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Hamburgs Stromnetz am Limit: 45 Großprojekte müssen warten – Energiewende droht an fehlenden Netzkapazitäten zu scheitern

Hamburg will mehr Wärmepumpen, mehr Elektromobilität, mehr Ladeinfrastruktur und mehr klimafreundliche Industrie. Gleichzeitig räumt der Senat nun ein: Im Mittel- und Hochspannungsnetz gibt es keine ausreichenden Anschlussreserven mehr.

Die Folgen sind bereits sichtbar.

Nach Angaben des Senats mussten inzwischen 45 Anschlussanfragen mit einer Leistung von mehr als 5 Megawatt in ein neues Verteilungsverfahren verschoben werden. Betroffen sind unter anderem Batteriespeicher, Rechenzentren und große Industrieprojekte. Ob und wann diese Vorhaben tatsächlich angeschlossen werden können, ist derzeit offen.

Besonders bemerkenswert: Der Senat kann nicht sagen, welche Projekte betroffen sind und welche Verzögerungen entstehen werden. Die Informationen werden unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse nicht veröffentlicht.

Damit steht fest: Hamburg verfügt aktuell nicht über ausreichend Netzkapazitäten, um alle gewünschten Großprojekte anzuschließen.

Dabei kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Bereits Ende 2025 lagen nach Angaben des Senats Hinweise vor, dass die vorhandenen Netzkapazitäten nicht mehr ausreichen könnten. Ursache sind einerseits stark gestiegene Anschlussanfragen und andererseits Verzögerungen beim Ausbau des Übertragungsnetzes durch den Netzbetreiber 50Hertz.

Die Zahlen zeigen die Dimension des Problems:

  • Zwischen 2020 und 2025 wurden Anschlussanfragen im Umfang von rund 4.800 Megawatt gestellt.
  • Allein die Elektromobilität soll bis 2040 einen zusätzlichen Leistungsbedarf von 831 Megawatt verursachen.
  • Gleichzeitig bestehen im Hamburger Mittel- und Hochspannungsnetz nach Angaben des Senats derzeit keine Anschlussreserven mehr.

Statt ausreichend Kapazitäten bereitzustellen, plant Hamburg nun ein sogenanntes Repartierungsverfahren. Vereinfacht gesagt bedeutet dies: Die vorhandenen Kapazitäten werden verteilt, weil nicht mehr genügend Netzleistung für alle Antragsteller vorhanden ist.

Noch problematischer ist, dass die Regeln dafür noch gar nicht feststehen. Der Senat erklärt ausdrücklich, dass die Teilnahmebedingungen und Verfahrensregelungen derzeit noch erarbeitet werden. Unternehmen wissen also nicht einmal, nach welchen Kriterien künftig entschieden wird.

Das wirft grundsätzliche Fragen auf.

  • Wie sollen neue Industrieprojekte entstehen, wenn der Stromanschluss unsicher ist?
  • Wie soll die Wirtschaft investieren, wenn nicht klar ist, ob ausreichend Netzkapazitäten zur Verfügung stehen?
  • Und wie sollen die Klimaziele erreicht werden, wenn gleichzeitig die notwendige Infrastruktur fehlt?

Besonders auffällig ist die Antwort des Senats auf die Frage nach den Folgen für Klimaziele, Elektromobilität und Industrie. Statt konkrete Auswirkungen zu benennen, verweist der Senat lediglich auf seine Vorbemerkung und bleibt eine klare Bewertung schuldig.

Dabei ist offensichtlich: Ohne leistungsfähige Stromnetze gibt es keine Energiewende. Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Batteriespeicher, Rechenzentren und die Dekarbonisierung der Industrie benötigen Stromanschlüsse. Wenn diese nicht verfügbar sind, geraten Investitionen ins Stocken.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Obwohl bereits seit 2023 Gespräche zwischen Hamburger Energienetzen und 50Hertz über die Netzentwicklung geführt wurden, verdichteten sich die Hinweise auf drohende Kapazitätsengpässe nach Angaben des Senats spätestens Ende 2025. Trotzdem steht Hamburg heute vor der Situation, Anschlussleistungen rationieren zu müssen.

Die Energiewende scheitert nicht an fehlenden Zielen. Sie droht an fehlender Infrastruktur zu scheitern.

Quelle: Bürgerschaftsdrucksache 23/4215