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Ärztliche Unterversorgung in Steilshoop beheben: Es geht, wenn man will – andere Städte machen vor, was Hamburg blockiert

Der Hamburger Stadtteil Steilshoop steht trotz seiner urbanen Lage vor einer dramatischen Unterversorgung in der hausärztlichen Versorgung. 2020 gab es noch 10 Hausärzte. Heute sind zwei aktiv.

Der Hamburger Senat verweist in diesem Zusammenhang regelmäßig auf angebliche rechtliche, organisatorische oder wirtschaftliche Hürden. Doch dieser Verweis greift zu kurz. Andere Kommunen zeigen seit Jahren: Es geht – wenn man es wirklich will.

Ein funktionierendes Vorbild: Regionales Versorgungszentrum Südheide

Ein konkretes und praxiserprobtes Beispiel ist das Regionales Versorgungszentrum Südheide (RVZ Südheide) in Niedersachsen. Das Modell wurde gezielt entwickelt, um Versorgungsengpässe, Nachfolgeprobleme und die sinkende Niederlassungsbereitschaft von Hausärztinnen und Hausärzten aufzufangen. Herausforderungen, die längst nicht mehr nur den ländlichen Raum betreffen, sondern auch urbane Quartiere mit besonderem sozialem und strukturellem Bedarf wie Steilshoop.

Kern des Modells ist ein kommunal getragenes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Die hausärztliche Versorgung wird dabei als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge verstanden – und entsprechend aktiv gesteuert, statt sie dem Markt oder individuellen Lebensentscheidungen zu überlassen.

Anstellung statt Existenzrisiko

Der zentrale Erfolgsfaktor des RVZ-Modells ist die Anstellung von Hausärztinnen und Hausärzten. Damit entfallen unternehmerische Risiken, Investitionszwänge und große Teile der Bürokratie. Gleichzeitig werden flexible Arbeitszeitmodelle ermöglicht – ein entscheidender Punkt für junge Ärztinnen und Ärzte sowie für Teilzeit- und Familienmodelle.

Das Ergebnis:
Die Versorgung wird personenunabhängiger, stabiler und langfristig planbar. Ärztliche Tätigkeit wird wieder attraktiv – auch in Quartieren, die bislang als „schwierig“ gelten.

Kommunale Verantwortung statt Marktlogik

Die kommunale Trägerschaft schafft einen entscheidenden Systemvorteil:
Ärztliche Sitze können gesichert, Nachfolgen frühzeitig organisiert und Versorgung langfristig garantiert werden. Für Steilshoop bedeutet das konkret: medizinische Versorgung unabhängig davon, ob einzelne Praxisinhaber ausscheiden oder keine Nachfolge finden.

Andere Kommunen haben diese Verantwortung übernommen. Hamburg tut so, als sei das unmöglich.

Konkrete Handlungsempfehlung an den Hamburger Senat

Der Hamburger Senat sollte unverzüglich handeln und:

  1. ein kommunal getragenes MVZ-Modell nach dem Vorbild des RVZ Südheide für Steilshoop initiieren,

  2. eine Konzeptstudie zur Umsetzbarkeit in Auftrag geben,

  3. Steilshoop als Pilotstandort für ein übertragbares urbanes Versorgungsmodell definieren.

Hamburg kennt das Modell – und ignoriert es trotzdem

Besonders bemerkenswert: Der Projektleiter des RVZ Südheide kommt aus Hamburg. Jannis Fey arbeitet als Manager für ambulante Versorgungsstrukturen bei der Hospital Management Group GmbH, begleitet das Projekt in der Südheide – und wohnt in Hamburg-Bramfeld. Das Know-how ist also vorhanden. Die Erfahrung ist da. Der direkte Bezug zu Hamburg ebenfalls.

Was fehlt, ist nicht die Möglichkeit – sondern der politische Wille.

Das RVZ Südheide zeigt eindrucksvoll: Wenn Kommunen Verantwortung übernehmen, können sie hausärztliche Versorgung sichern – nachhaltig, attraktiv für medizinisches Personal und stabil für die Bevölkerung.
Hamburg könnte dieses Modell übernehmen. Steilshoop könnte davon profitieren. Der Senat müsste es nur wollen.