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Arztversorgung in Hamburg: Gute Zahlen – große Lücken in Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne

Hamburg gilt bundesweit als Spitzenreiter bei der Arztdichte. Rechnerisch kommen 3,1 Arztpraxen auf 1.000 Einwohner – mehr als in Bremen (3,08) oder Berlin (2,99). Doch diese guten Durchschnittswerte verdecken eine Entwicklung, die gerade in den Stadtteilen Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne zunehmend spürbar wird.

Weniger Praxen, steigender Bedarf

In den vergangenen zehn Jahren sind in Hamburg rund 140 Praxisstandorte weggefallen. Gleichzeitig fehlen mindestens 50 Hausärzte. Die Folge: längere Wege, weniger Termine und eine spürbar schlechtere Versorgung für viele Menschen.

Auch die offizielle Kennzahl zeigt das Problem: Im Schnitt kommen 1.789 Einwohner auf einen Hausarzt – ein Wert, bei dem bereits von Unterversorgung gesprochen wird.

Ungleiche Verteilung trifft den Hamburger Nordosten

Besonders deutlich wird die Schieflage in einzelnen Stadtteilen:

  • Steilshoop: rechnerisch fehlen rund sieben Hausärzte
  • Farmsen-Berne: es fehlen sogar elf Hausärzte
  • Bramfeld: übernimmt zunehmend Patienten aus dem Umland und benachbarten Stadtteilen

Gerade Steilshoop steht dabei exemplarisch für die Probleme: Trotz hoher Einwohnerzahl ist die Versorgungslage angespannt. Die Schließung von Praxen hat die Situation weiter verschärft.

Versorgung endet nicht an Stadtteilgrenzen

Die Zahlen zeigen auch: Patienten orientieren sich nicht an Verwaltungsgrenzen. Viele fahren mehrere Kilometer zum Arzt – selbst ältere Menschen. Gleichzeitig versorgt Hamburg auch Patienten aus dem Umland.

Im Schnitt stammen rund zehn Prozent der Patienten aus anderen Bundesländern, was den Druck zusätzlich erhöht. Gleichzeitig bleiben Arztsitze etwa im Umland unbesetzt, können aber rechtlich nicht einfach nach Hamburg verlagert werden.

Strukturelle Probleme bremsen Lösungen

Ein zentrales Problem liegt im System: Die Verteilung von Arztsitzen wird bundesweit geregelt – maßgeblich in Berlin. Hamburg hat daher nur begrenzten Einfluss darauf, wo sich neue Praxen ansiedeln.

Hinzu kommt, dass immer weniger Ärztinnen und Ärzte bereit sind, eine eigene Praxis zu übernehmen. Wirtschaftliche Risiken und geplante Reformen verschärfen diese Entwicklung zusätzlich.

Hoffnung für Steilshoop

Trotz der schwierigen Lage gibt es einen kleinen Lichtblick:
Für Steilshoop wurde bereits eine Ärztin gefunden, die voraussichtlich noch 2026 eine Praxis eröffnen möchte.

Das ist insbesondere für viele Patientinnen von großer Bedeutung – etwa für muslimische Frauen, die gezielt eine Behandlung durch eine Ärztin wünschen.

Allerdings bleibt auch hier eine Hürde: Für die Ansiedlung ist eine sogenannte Sonderbedarfszulassung notwendig.

Hamburg hat auf dem Papier eine hervorragende medizinische Versorgung. Doch die Realität vor Ort – gerade in Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne – sieht deutlich anders aus.

Die Versorgung ist ungleich verteilt, Praxen verschwinden und neue entstehen nur schwer.

Es braucht dringend Lösungen, die stärker an der tatsächlichen Lebensrealität der Menschen in den Stadtteilen ansetzen – und nicht nur an statistischen Durchschnittswerten.

Quelle:
Bericht des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg im Gesundheitsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft am 24. April 2026 sowie Berichterstattung im Hamburger Abendblatt:
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