Wer derzeit an den Veranstaltungen zur Umgestaltung der Eckerkoppel teilnimmt, dürfte davon ausgehen, dass die geplanten Verbesserungen in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Die Realität sieht anders aus: Wesentliche Teile des Projekts sollen nach Angaben des Senats erst ab dem Jahr 2035 gebaut werden.
Das bedeutet: Zwischen der heutigen Planung und der Umsetzung liegen rund neun Jahre.
Begründet wird dies mit langwierigen Abstimmungsprozessen, dem Umbau des Umfelds des U-Bahnhofs Farmsen, dem Umbau der August-Krogmann-Straße sowie einem freizuhaltenden Feuerwehrkorridor. Dadurch seien umfangreiche Baumaßnahmen an der Eckerkoppel derzeit nicht möglich.
Zwar sollen einzelne Maßnahmen bereits früher umgesetzt werden. Für den Spätsommer beziehungsweise Herbst 2026 ist eine Deckensanierung vorgesehen. Anfang beziehungsweise Mitte 2027 sollen zudem verkehrsberuhigende Elemente und eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden.
Die eigentliche Umgestaltung mit neuen Gehwegen und dem geplanten Kreisverkehr am Tegelweg bleibt jedoch bis mindestens 2035 aufgeschoben.
Für viele Anwohner ist das schwer nachvollziehbar. Niemand kann seriös vorhersagen, wie die Anforderungen an Verkehr, Mobilität und öffentliche Räume im Jahr 2035 aussehen werden. Neun Jahre sind im Verkehrsbereich eine halbe Ewigkeit. In dieser Zeit verändern sich Mobilitätsverhalten, technische Standards, gesetzliche Vorgaben und Förderprogramme.
Umso fragwürdiger ist es, bereits heute erhebliche Planungsressourcen in ein Projekt zu investieren, dessen Umsetzung fast ein Jahrzehnt entfernt liegt. Es stellt sich die Frage, wie belastbar Planungen aus dem Jahr 2026 überhaupt noch sein werden, wenn die Bagger erst 2035 anrollen.
Besonders problematisch ist dabei die Erwartungshaltung gegenüber den Bürgern. Die Menschen werden heute beteiligt, bringen Ideen ein und investieren Zeit in den Planungsprozess. Gleichzeitig müssen sie erfahren, dass die wesentlichen Verbesserungen möglicherweise erst in fast zehn Jahren Realität werden.
Die Antwort des Senats zeigt einmal mehr ein grundsätzliches Problem öffentlicher Infrastrukturprojekte: Zwischen Planung und Umsetzung liegen häufig so viele Jahre, dass am Ende erneut geplant, angepasst und nachgesteuert werden muss. Für die Anwohner bedeutet das vor allem eines: lange warten.
Quelle: Bürgerschaftsdrucksache 23/4370

