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Hamburg hinkt bei Sperrmüll und Öffnungszeiten hinterher

Während andere Städte längst reagieren, bleibt Hamburg erstaunlich unbeweglich.VIele Städte in Schleswig-Holstein machen es vor: Wertstoffhöfe mit erweiterten Öffnungszeiten sind dort keine Ausnahme mehr. Auch andere Bundesländer haben erkannt, dass sich Lebensrealitäten verändert haben. Nur der Hamburger Senat argumentiert weiter wie vor 30 Jahren.

Sperrmülltage? Für den Senat ein „Problem“ – für viele Bürger eine Lösung

Die Idee regelmäßiger, wohnortnaher Sperrmülltage wird vom Senat praktisch abgebügelt. Die Begründung: zu teuer, zu chaotisch, zu gefährlich.

Doch diese Argumentation greift zu kurz. Denn sie blendet die Realität vieler Menschen aus:

  • Immer mehr Haushalte haben kein eigenes Auto
  • Viele sind berufstätig und zeitlich eingeschränkt
  • Die Kosten für Sperrmüllabholung sind für manche schlicht eine zusätzliche Belastung

Was früher funktionierte, soll heute plötzlich unmöglich sein? Der Senat beschreibt vor allem Risiken: wilde Müllablagerungen, Sicherheitsprobleme, steigende Kosten.

Aber: Genau diese Probleme existieren bereits heute – nur ohne Lösung. Illegale Müllablagerungen nehmen zu, öffentliche Flächen werden verschmutzt. Die jetzige Praxis verhindert das offensichtlich nicht.

Die entscheidende Frage lautet daher:
Ist es wirklich sinnvoll, ein Angebot nicht zu schaffen, weil es missbraucht werden könnte – obwohl der Missstand bereits existiert?

Öffnungszeiten: An der Lebensrealität vorbei

Noch deutlicher wird das Problem bei den Öffnungszeiten der Recyclinghöfe.

Zwar verweist der Senat darauf, dass einige Standorte bis 19 Uhr geöffnet haben. Die Mehrheit schließt jedoch weiterhin um 17 Uhr. Für viele Berufstätige ist das faktisch nicht erreichbar.

Die Argumentation des Senats wirkt dabei fast schon realitätsfern:

  • Man habe Kundenbefragungen durchgeführt
  • Die Öffnungszeiten würden „überwiegend als ausreichend“ bewertet

Doch wer nimmt an solchen Befragungen teil? In der Regel diejenigen, die es bereits schaffen, die Angebote zu nutzen – nicht die, die daran scheitern.

Die Folge ist absehbar:

  • Überfüllte Recyclinghöfe am Samstag
  • Lange Wartezeiten
  • Frust bei den Bürgern

Und wieder stellt sich die Frage: Warum orientiert sich Hamburg nicht an anderen Städten?

Andere machen es vor – Hamburg schaut zu

Hamburg hingegen verweist auf bestehende Strukturen und sieht keinen Handlungsbedarf.

Dabei wäre die Lösung naheliegend:

  • Öffnungszeiten flächendeckend bis mindestens 19 Uhr ausweiten
  • Testweise Öffnung einzelner Standorte nach 17 Uhr oder am späten Abend
  • Mobile oder quartiernahe Sperrmüllangebote wieder einführen

Hamburg will moderne Großstadt sein, digital und bürgernah. Doch beim Thema Entsorgung wirkt die Stadt erstaunlich rückständig.

Die Lebensrealität der Menschen hat sich verändert – die Angebote der Stadt offenbar nicht.

Wer illegale Müllablagerungen reduzieren will, muss es den Bürgern einfacher machen, ihren Müll legal zu entsorgen.

Alles andere ist keine Lösung – sondern ein Festhalten am Status quo.

Quelle: Drucksache 23/3686