Der „Zukunftsentscheid“ hat Hamburg in eine historische Verpflichtung geführt – doch der Senat wirkt überfordert. Die Stadt soll nun bereits bis 2040 klimaneutral werden, fünf Jahre früher als bisher vorgesehen. Was nach einem ambitionierten Ziel klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als finanzielles und organisatorisches Desaster in Zeitlupe.
Denn die Antwort des Senats auf meine Anfrage zeigt deutlich: Es gibt keinen Plan, keine Zahlen, keine Strategie. Weder existieren konkrete Kostenschätzungen noch liegt ein Zeitplan vor, wann Hamburg überhaupt einen neuen Klimaneutralitätsplan 2040 vorlegen will. Selbst die Frage, welche Sektoren – etwa Gebäude, Energie, Industrie oder Verkehr – beschleunigt werden müssen, bleibt unbeantwortet. Der Senat verweist lapidar das Planungen noch nicht abgeschlossen“ seien.
Diese Antworten sind alarmierend. Denn das Vorziehen der Klimaneutralität bedeutet gewaltige finanzielle Belastungen für die Stadt, für Unternehmen und für die Bürgerinnen und Bürger. Laut dem vom Senat selbst beauftragten Machbarkeitsgutachten des Hamburg Instituts und des Öko-Instituts sind „erhebliche Zusatzanstrengungen“ nötig, verbunden mit „spürbaren Mehrbelastungen“. Dennoch verweigert der Bürgermeister jede ehrliche Kommunikation über die finanziellen Folgen. Die Haushaltsplanung der Stadt basiert weiter auf dem alten Zieljahr 2045 – eine Anpassung ist nicht einmal in Arbeit.
Elf Jahre rot-grüne Ankündigungspolitik rächen sich jetzt. Peter Tschentscher und die Grünen haben jahrelang von großen Zielen gesprochen, aber die strukturellen Voraussetzungen nie geschaffen. Fachkräftemangel, fehlende Technologien, unklare Finanzierung – alles ungelöste Probleme. Nun muss Hamburg unter massivem Zeitdruck nachsteuern. Besonders brisant: Der Bürgermeister hatte monatelang geschwiegen, in der Hoffnung, der Volksentscheid würde scheitern. Diese politische Fehleinschätzung hat die Stadt teuer zu stehen.
Das Ergebnis: Hamburg steht ohne Vorbereitung vor einem gewaltigen Umbau – sozial, wirtschaftlich und finanziell. Eine soziale Folgenabschätzung? Fehlanzeige. Eine Finanzierungsstrategie? Fehlanzeige. Eine Priorisierung laufender Projekte? Fehlanzeige.
Wer die Klimaneutralität wirklich will, braucht Ehrlichkeit und Planung – keine Symbolpolitik und kein Aussitzen. Hamburgs Bürgerinnen und Bürger verdienen Antworten: Wie sollen die Klimaziele finanziert werden? Wer trägt die Kosten? Und wie will der Senat sicherstellen, dass Mieter, Mittelstand und Industrie nicht unter die Räder kommen?
Tschentschers Strategie des Abtauchens ist gescheitert. Jetzt braucht Hamburg endlich Führung, Klarheit – und einen realistischen Plan.
(Quelle: Drucksache 23/1784 – Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Sandro Kappe, CDU, und Antwort des Senats vom 21.10.2025)

