Hamburg verliert gesichert mindestens 5.554 Bäume unter Rot-Grün – ist das grüne Politik?

Von Bündnis90/Die Grünen haben die meisten Menschen eine Meinung und ein Bild im Kopf. Wie man das bewertet, ist eine andere Sache.

 

Doch nicht wenige Bürger/innen dürften bei der grünen Partei an Idealisten denken, die die Natur zurück in die Stadt holen wollen.

 

An Baumumarmer und Baumfestketter, die sich gegen landraubende Bagger zur Wehr setzen.

 

 

In Hamburg zumindest sieht die Realität anders aus. Auch in dieser Stadt müssten doch die Grünen das große Symbol der Natur – den Baum – schützen und eher vermehren als dezimieren. Letztlich ist das der Wahlauftrag der Wähler/innen. Doch ganz offensichtlich geht es nicht ohne den oppositionellen Druck der Partei, die sich für den Erhalt der Schöpfung einsetzt.

 

Nach den Antworten der Großen Anfrage (22/339) und der Kleinen Anfrage (22/813) zum Thema habe ich Folgendes mitzuteilen:

Wovon sprechen wir?

 

Wir unterscheiden in Hamburg Straßenbäume, Bäume auf privatem Grund und Bäume in Grünanlagen. (Außen vor lassen wir vorerst die Waldflächen Hamburgs.)

 

- Alle drei Kategorien sind durch die Baumschutzverordnung geschützt.

 

- Bei öffentlichen Bäumen sind die Regeln jedoch außer Kraft gesetzt, nur Privatleute müssen sich zwingend an die Baumschutzverordnung halten und nachpflanzen oder zahlen. Wenn sie es nicht melden und erwischt werden, auch zusätzliches Bußgeld.

 

Zahlen

 

Nach Zahlen des Senats gab es in den sieben Bezirken von 2015 bis 2018 (neuere Zahlen noch nicht bekannt) insgesamt bei Straßenbäumen:

 

- 10.649 Fällungen

- 7.154 Nachpflanzungen

 

Macht ein Defizit von 3.495 Straßenbäumen.

 

Bei Fällungen und Nachpflanzungen in Grünflächen liegen nur Zahlen von drei Bezirken vor, nämlich Hamburg-Nord, Wandsbek und Harburg. Zahlen von 2015 bis 2019:

 

- 4.261 Fällungen

- 2.202 Nachpflanzungen

 

Macht ein Defizit von 2.059 Bäumen in Grünflächen. Es fehlen jedoch noch Zahlen von vier Bezirken.

 

Insgesamt weist Hamburg somit ein bestätigtes Defizit von mindestens 5.554 Bäumen an Straßen und in Grünflächen (3.495 + 2.059) auf.

 

Ausgleichszahlungen von Privatleuten nicht nur für Bäume genutzt

 

Es kann durchaus sein, dass eine Privatperson auf seinem Grundstück einen Baum fällt, keine Fläche für einen neuen Baum hat und eine Ausgleichszahlung an seinen Bezirk leisten muss.

 

Man sollte also meinen, dass der Bezirk nun einen neuen Baum pflanzt. Nach Antwort des Senats muss das aber nicht so sein. Obwohl in fünf Bezirken (zwei Bezirke weisen keine Statistik auf) von 2015 bis 2019 insgesamt 7.521.767 EUR an Ausgleichszahlungen geflossen sind, werden diese auch für andere Zwecke genutzt. Die Senatsantwort spricht dabei von „Maßnahmen […], durch die Werte oder Funktionen des Naturhaushaltes oder des Ort- und Landschaftsbildes hergestellt oder im Bestand gesichert werden.“

 

Das können je nach Bezirk Uferrandbepflanzungen, Teichentschlammungen, das Wässern von Bäumen bei Niederschlagsrückgängen oder die Bekämpfung von Neophyten sein. Sicherlich sind das wichtige Aufgaben. Und auch Bäume werden nach Angaben der Bezirke davon gepflanzt. Statistisch ausgewertet ist dies jedoch nicht oder unzureichend. All diese Aufgaben müssten sowieso erledigt werden. Der einfache Gedanke, dass der Bezirk von Ausgleichzahlungen eben wieder Bäume pflanzt, trifft nicht zu.

 

Trügerische Statistiken

 

Die Fällungen und Nachpflanzungen von Straßenbäumen werden in allen Bezirken erfasst, die Fällungen und Nachpflanzungen von Park- und Grünflächenbäumen nur von drei Bezirken. Bei privaten Fällungen kann es eine hohe Dunkelziffer geben, da die Bezirksämter personell unterbesetzt sind und nur Stichproben gemacht werden oder auf Anzeigen reagiert wird.

 

Was mich aber besonders stört: Die Ausgleichspflanzungen von Ausgleichszahlungen der Privatpersonen werden in die Straßenbaum-Nachpflanzstatistik der Bezirke hineingerechnet.

 

Bsp.:

 

- Privatperson fällt zwei Bäume, zahlt 2.000 EUR Ausgleichszahlung

 

- Bezirk fällt auch zwei Bäume für eine Straßenbaummaßnahme

 

- vier Bäume sind also gefällt worden

 

- der Bezirk pflanzt zwei Bäume nach, die Straßenbaumstatistik ist ausgeglichen, es sieht wunderbar aus

 

- die Ausgleichszahlung wird statistisch erfasst, aber nicht die zwei Privatbäume, die nun fehlen.

 

Ich gehe davon aus, dass in den letzten fünf Jahren ein Defizit von mindestens 10.000 Bäumen, bezogen auf die ganze Stadt, entstanden ist. Schon allein hochgerechnet auf die Zahlen des Bezirkes Wandsbek.

 

Meine Forderungen

 

Ich will, dass unsere Freie und Hansestadt Hamburg so lebenswert grün bleibt, besser: wie sie es vor wenigen Jahren noch war.

 

- Jeder gefällte Baum in Hamburg muss adäquat eins zu eins nachgepflanzt werden. Dabei sind heimische Arten und solche, die besonders den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen sind, zu bevorzugen.

 

- Dazu muss jeder gefällte Baum in Hamburg statistisch erfasst werden. Wenn Ausgleichszahlungen bei Privatleuten statistisch erfasst werden können, dann geht das auch für die schiere Anzahl der Bäume. Neben den Bäumen auf Privatgrund und den Straßenbäumen müssen auch gefällte Bäume in Grünanlagen erfasst werden. Ob es von städtischen Unternehmen oder von Drittfirmen gefällte Bäume sind, spielt keine Rolle. Eine Auslichtung, um einzelne Bäume voneinander zu trennen, darf ebenfalls nicht als Ausrede gelten, darüber keine Statistik zu führen.

 

- Die Bezirksämter sind entsprechend mit Mitteln zu unterstützen. Ausgleichszahlungen dürfen nur für echte Ausgleichspflanzungen verwendet werden. Andere Naturschutz- und Erhaltungsmaßnahmen müssen anderweitig finanziert werden.

 

- Geeignete Baumpflanzstandorte sind ständig zu ermitteln.

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