Die Fernwärme ist ein zentraler Baustein für eine klimaneutrale Energieversorgung in Hamburg. Wenn wir die Wärmewende ernst nehmen, müssen Netze ausgebaut, erneuerbare Quellen integriert und Hemmnisse aktiv beseitigt werden. Das Fernwärmenetz der Hamburger Energiewerke (HEnW) ist in den letzten fünf Jahren von 844 auf 906 Kilometer gewachsen. Die Kapazität wurde um rund 115 MW erhöht. Das ist grundsätzlich positiv – reicht aber bei weitem nicht aus, um die städtischen Klimaplan-Ziele zu erfüllen.
Problematisch ist zudem, dass der Senat keinerlei Statistik darüber führt, wie viele Anschlussanfragen aus technischen oder Kapazitätsgründen abgelehnt wurden. Ohne diese Informationen fehlt die Grundlage für eine strategische Planung.
Hohe Auslastung – aber unklare Engpässe
Der Senat betont, das Netz sei „in sehr gutem Zustand“ und die Auslastung „hoch“. Was auf den ersten Blick positiv klingt, bedeutet in der Realität: Viele Abschnitte stoßen an ihre Grenzen. Konkrete Angaben, wo genau Engpässe bestehen, macht der Senat nicht. Stattdessen verweist er auf das Anschlussportal. Wer Transparenz sucht, wird damit allein gelassen.
Große Leitungsprojekte sollen Engpässe erst bis 2030 beseitigen – zu spät für viele Quartiere, die heute auf klimaneutrale Wärme angewiesen wären.
Erneuerbare Wärme: Hamburg bleibt weit unter seinen Zielen
Besonders kritisch ist der geringe Anteil erneuerbarer oder unvermeidbarer Wärme: Hamburg erreicht derzeit nur rund 30 Prozent.
Bis 2030 schreibt das Hamburgische Klimaschutzgesetz jedoch 50 Prozent vor. Der Senat ist also deutlich im Hintertreffen.
Konkrete Maßnahmen, wie diese Lücke geschlossen werden soll, werden in den Antworten nicht benannt.
Gebäudebestand hemmt die Wärmewende
Zwar ist die Nachfrage nach Fernwärme seit der Energiekrise gestiegen, aber der Senat rechnet bereits mit einer Stagnation bei den Anschlüssen. Der Grund: Viele Gebäude lassen sich ohne vorherige Sanierung nicht wirtschaftlich anschließen. Das seit 2013 geltende Gebot der Heizkostenneutralität blockiert Investitionen – ein Problem, das seit Jahren bekannt ist und dennoch ungelöst bleibt.
Fachkräftemangel, Tiefbauengpässe und Straßenkonflikte bleiben ungelöst
Der Senat bestätigt mehrere strukturelle Hemmnisse:
- begrenzte Tiefbaukapazitäten
- erheblicher Fachkräftemangel
- konkurrierende Bauarbeiten im Straßenraum
- lange Lieferzeiten einzelner Komponenten
Diese Punkte bremsen seit Jahren den Ausbau aller Energieinfrastrukturen – dennoch präsentiert der Senat keine Maßnahmen, wie Hamburg diese Engpässe überwinden will.
Abwärmepotenziale: Viel möglich, wenig genutzt
Die Nutzung industrieller Abwärme könnte ein riesiger Beitrag zur Dekarbonisierung sein. Doch auch hier verweist der Senat auf technische, wirtschaftliche und saisonale Herausforderungen. Während andere europäische Städte die Abwärme systematisch integrieren, bleibt Hamburg bislang hinter den Möglichkeiten zurück.
Stromnetz und Wärmewende: Abstimmung fehlt
Großwärmepumpen und Power-to-Heat-Anlagen benötigen ein starkes Stromnetz. Zwar bestätigt der Senat einen laufenden Austausch mit dem Netzbetreiber – aber es bleibt bei einer reaktiven Planung. Ein proaktiver, strategischer Netzausbau, der zukünftige Großprojekte berücksichtigt, findet nicht statt.
Fortschrittsbericht fehlt – Bewertung wird weiter verschoben
Zur Frage, ob Hamburg seine Fernwärmeziele des Klimaplans erreicht, verweist der Senat lediglich auf eine kommende Berichtsdrucksache. Eine echte Einschätzung bleibt aus – obwohl sie dringend notwendig wäre.
Hamburg braucht endlich Tempo – und klare Entscheidungen
Die Antworten des Senats zeigen deutlich:
- Hamburgs Fernwärmeanteil aus erneuerbaren Quellen liegt mit 30 % weit unter dem gesetzlichen Ziel von 50 % bis 2030.
- Engpässe im Netz sind vorhanden, werden aber nicht klar benannt.
- Der Ausbau verläuft zu langsam.
- Viele bekannte Hemmnisse wurden jahrelang nicht angegangen.
- Eine strategische Verzahnung von Wärme-, Strom- und Tiefbauplanung fehlt.
Hamburg kann die Wärmewende schaffen – aber nur, wenn der Senat endlich die notwendigen politischen Weichen stellt. Wir als CDU werden weiterhin genau hinschauen und konstruktive Lösungen einfordern.

