Skip to content Skip to footer

Hamburgs Trinkwasserversorgung unter Druck: Verbrauch steigt, Antworten bleiben vage

Mit der Drucksache 22/7098 hat der Senat bereits im Jahr 2022 deutlich gemacht, wie angespannt die Situation bei der Trinkwasserversorgung in Hamburg perspektivisch werden kann. Schon in den trockenen Jahren von 2018 bis 2020 mussten sämtliche verfügbaren Wasserressourcen genutzt werden, um Engpässe zu vermeiden. Gleichzeitig wurde prognostiziert, dass der Bedarf bis mindestens 2035 weiter steigen wird – bei gleichzeitig begrenzten Grundwasserressourcen.

Heute, einige Jahre später, zeigt sich: Diese Entwicklung ist längst Realität geworden.

Verbrauch steigt kontinuierlich an

Die aktuellen Zahlen bestätigen den Trend eindeutig. Der Trinkwasserverbrauch im Versorgungsgebiet von Hamburg Wasser hat sich in den vergangenen Jahren wie folgt entwickelt:

  • 2022: 114,7 Mio. m³
  • 2023: 114,1 Mio. m³
  • 2024: 115,8 Mio. m³
  • 2025: 117,6 Mio. m³

Damit ist der Verbrauch innerhalb von nur drei Jahren spürbar angestiegen. Besonders der Sprung von 2023 auf 2025 zeigt, dass sich der Bedarf dynamisch entwickelt – getrieben durch Bevölkerungswachstum, klimatische Veränderungen und wirtschaftliche Entwicklungen.

Für das Jahr 2035 rechnet Hamburg Wasser aktuell mit einem Bedarf zwischen 116,8 und 124,0 Mio. m³. Doch selbst diese Zahlen stehen noch „unter Prüfung“. Verlässliche Planungsgrundlagen sehen anders aus.

Große Unsicherheiten bei der Zukunftsplanung

Der Senat verweist selbst darauf, dass Prognosen mit Unsicherheiten behaftet seien. Das ist zwar fachlich korrekt – politisch jedoch problematisch. Denn die Herausforderungen sind längst bekannt:

  • zunehmende Trockenperioden
  • steigende Einwohnerzahlen
  • höhere Anforderungen an Wasserqualität
  • begrenzte Grundwasserressourcen

Gerade vor diesem Hintergrund wäre eine klare Strategie zur Sicherung der Versorgung zu erwarten. Doch konkrete Maßnahmen bleiben weitgehend im Verweis auf andere Drucksachen (23/3438 und 23/3642) verborgen. Eine transparente, verständliche Gesamtstrategie ist nicht erkennbar.

Alternative Wasserquellen? Fehlanzeige in der Kommunikation

Besonders kritisch ist der Umgang mit möglichen alternativen Wasserressourcen. Ob zusätzliche Grundwasserförderung, die Aufbereitung von Oberflächenwasser oder neue Technologien – konkrete Aussagen dazu bleiben aus.

Statt klarer Antworten verweist der Senat erneut auf andere Drucksachen. Für ein Thema von zentraler Bedeutung für die Daseinsvorsorge ist das zu wenig. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, wie ihre Wasserversorgung langfristig gesichert werden soll.

Daten vorhanden – Strategie fehlt

Zwar liegen umfangreiche Daten zu Fördermengen, Wasserrechten und Verbrauchsentwicklungen vor. Diese sind in Anlagen detailliert aufgeführt. Doch bei der entscheidenden Frage – wie Hamburg seinen steigenden Wasserbedarf langfristig decken will – bleibt der Senat eine klare Antwort schuldig.

Hamburg steht beim Thema Trinkwasser vor einer wachsenden Herausforderung. Der Verbrauch steigt, die Ressourcen sind begrenzt, und die klimatischen Rahmenbedingungen verschärfen die Lage zusätzlich.

Was fehlt, ist eine nachvollziehbare, transparente und entschlossene Strategie. Statt konkreter Maßnahmen dominieren Verweise und Unsicherheiten.

Die Sicherung der Trinkwasserversorgung gehört zur zentralen Daseinsvorsorge. Hier darf sich der Senat nicht hinter Prüfaufträgen verstecken – sondern muss endlich liefern.

Quelle: Drucksache 23-03686

Loading Viewer...

Loading Viewer...