Schwimmen rettet Leben.
Und trotzdem wächst in Steilshoop eine Generation von Kindern heran, die diese elementare Fähigkeit immer häufiger nicht beherrscht. Die aktuellen Zahlen zum Schuljahr 2024/25 sind kein Warnsignal mehr – sie sind ein Alarmschrei.
In Steilshoop haben 29 Prozent der Schülerinnen und Schüler kein einziges Schwimmabzeichen. Fast jedes dritte Kind kann also nicht schwimmen. Nicht unsicher, nicht schlecht – gar nicht.
Gleichzeitig erreichen nur 41 Prozent das Jugendschwimmabzeichen Bronze oder besser. Die politische Zielvorgabe liegt bei 58 Prozent. Das bedeutet: 17 Prozentpunkte daneben. Kein Interpretationsspielraum. Kein Schönrechnen. Klar verfehlt.
Und das ist kein Ausrutscher. Schon der vorherige Einschulungsjahrgang lag bei lediglich 46,3 Prozent Bronze oder besser. Statt aufzuholen, ist Steilshoop weiter abgerutscht. Wer hier noch von „Übergangsproblemen“ spricht, ignoriert bewusst die Realität.
Diese Zahlen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind das Ergebnis von jahrelangem Unterlassen. Zu wenig Wasserzeiten. Zu wenig gezielte Förderung. Zu wenig Schwimmangebote im Stadtteil. Und vor allem: zu wenig politischer Wille, dort anzusetzen, wo der Bedarf am größten ist.
Steilshoop ist kein Stadtteil mit geringem Bedarf – Steilshoop ist ein Stadtteil mit maximalem Bedarf. Viele Kinder haben außerhalb der Schule kaum Zugang zu Schwimmkursen. Wenn die Schule es dann nicht auffängt, fällt das gesamte System in sich zusammen. Genau das sehen wir jetzt schwarz auf weiß.
Besonders zynisch wirkt vor diesem Hintergrund, dass die Stadt zwar Zielvorgaben beschließt, diese aber in Steilshoop sehenden Auges reißt – Jahr für Jahr. Wenn fast ein Drittel der Kinder ohne Schwimmabzeichen bleibt, ist das kein Verwaltungsproblem mehr, sondern ein Sicherheitsrisiko.
Denn Hamburg ist eine Stadt des Wassers. Kanäle, Seen, Freibäder, die Alster, die Elbe. Wer Kindern hier das Schwimmen nicht ermöglicht, nimmt Risiken billigend in Kauf. Das darf man nicht beschönigen.
Das Fazit ist bitter, aber eindeutig:
In Steilshoop wurde viel zu wenig getan – und das Ergebnis ist katastrophal.
Nicht, weil die Kinder es nicht könnten.
Sondern weil die Stadt es nicht ausreichend ermöglicht.
Wer jetzt nicht massiv gegensteuert, akzeptiert, dass Herkunft und Stadtteil über Sicherheit entscheiden.
Und das ist für eine Stadt wie Hamburg ein Armutszeugnis.
Zu den erworbenen Schwimmabzeichen in Steilshoop zu Ende des Schuljahres 2024/25 (Einschulungsjahrgang 2021) siehe die nachfolgende Übersicht:
* Gemäß Drs. 20/8276 sollen mindestens 95 Prozent der Schülerinnen und Schüler die schwimmvorbereitende Prüfung „Seepferdchen“ absolviert haben, von diesen sollen mindestens 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Bedingungen des Jugendschwimmabzeichens „Bronze“ erfüllen. Das sind 66,5 % bezogen auf die absolute Anzahl an Bronzeabzeichen.
Drs. 23-02672

