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Klimapolitik mit doppelten Standards: Stadt setzt weiter auf Gas, weil teilweise wirtschaftlich nicht anders darstellbar – und verlangt von Bürgern den Ausstieg

Der Senat betont regelmäßig das Ziel einer klimaneutralen Verwaltung bis 2030. Doch ein Blick in die aktuellen Drucksachen offenbart ein anderes Bild: Während private Eigentümer immer stärker unter Druck gesetzt werden, ihre Heizsysteme umzustellen, setzt die öffentliche Hand selbst weiterhin auf fossile Energieträger – und das teilweise sogar bei neu installierten Anlagen.

Neue Gasheizungen trotz Klimazielen

In den Jahren 2024 bis 2026 wurden in zahlreichen öffentlichen Gebäuden neue Gasheizungen eingebaut oder bestehende erneuert. Die Begründungen wiederholen sich dabei auffällig oft: Defekte Altanlagen, kurzfristiger Handlungsdruck oder fehlende Alternativen.

So wird etwa argumentiert, dass:

  • Heizungen „defekt und irreparabel“ gewesen seien,
  • ein Austausch „im Winter“ schnell erfolgen musste,
  • Wärmepumpen „nicht verfügbar“ oder wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen seien,
  • oder die technische Infrastruktur – etwa Fernwärmeanschlüsse – schlicht fehlte.

Diese Argumentation kulminiert in einer zentralen Aussage des Senats: Die neuen Gasheizungen seien Notmaßnahmen, die später durch klimaneutrale Systeme ersetzt werden sollen – mit geplanten Umstellungen teils erst ab 2027 bis 2031.

Das eigentliche Problem: Investitionen für 20 Jahre – bei Ziel „klimaneutral 2030“

Besonders brisant: Die Lebensdauer dieser neu eingebauten Anlagen wird mit 15 bis 20 Jahren angegeben.

Das bedeutet im Klartext:
Die Stadt baut heute fossile Infrastruktur ein, die rein rechnerisch bis weit in die 2040er-Jahre betrieben werden kann – obwohl sie sich selbst verpflichtet hat, bereits 2030 klimaneutral zu sein.

Diese Diskrepanz ist nicht nur ein planerisches Problem, sondern ein strukturelles Glaubwürdigkeitsproblem.

„Nachgelagerte Dekarbonisierung“ – ein politisches Placebo?

Statt konkreter Umstellungspläne finden sich in den Antworten häufig nur pauschale Hinweise auf eine „nachgelagerte Dekarbonisierung“. Gebäudescharfe Zeitpläne fehlen weitgehend.

Das wirft zentrale Fragen auf:

  • Wann genau werden diese Anlagen ersetzt?
  • Wer trägt die Kosten für doppelte Investitionen?
  • Und wie realistisch ist ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2030 überhaupt noch?

Gleichzeitig: Bürger sollen raus aus Gas

Während die öffentliche Hand sich auf technische, wirtschaftliche und zeitliche Zwänge beruft, wird privaten Eigentümern eine deutlich strengere Linie zugemutet. Gasheizungen werden politisch zunehmend delegitimiert, teilweise sogar faktisch „verflucht“, während Förderkulissen und gesetzliche Vorgaben den Umstieg erzwingen.

Doch genau hier entsteht ein massiver Widerspruch:

Wenn selbst die Stadt in der Praxis regelmäßig auf Gas setzt – wie glaubwürdig ist dann die politische Forderung an Bürger, genau das nicht mehr zu tun?

Technische Realität oder politisches Versagen?

Natürlich ist unstrittig: In Einzelfällen kann ein schneller Austausch alternativlos sein – etwa bei Schulgebäuden oder kritischer Infrastruktur.

Doch die Vielzahl der Fälle zeigt ein strukturelles Problem:

  • fehlende strategische Vorbereitung,
  • unzureichender Ausbau der Infrastruktur (Fernwärme, Netze),
  • und offenbar keine konsequente Priorisierung klimafreundlicher Lösungen.

Mit anderen Worten:
Die „Notlösung Gas“ ist längst kein Einzelfall mehr, sondern Teil des Systems.

Ohne Ehrlichkeit keine Akzeptanz

Die vorliegenden Daten zeigen deutlich:
Die Stadt handelt in der Praxis deutlich pragmatischer – oder opportunistischer – als es die politische Kommunikation vermuten lässt.

Wenn Hamburg weiterhin fossile Heizungen einbaut, gleichzeitig aber von Bürgern den schnellen Ausstieg verlangt, entsteht ein doppelter Standard, der politisch kaum vermittelbar ist.

Die zentrale Frage lautet daher:
Warum gilt das, was für die Stadt selbst notwendig ist, nicht auch für die Bürger?

Ohne eine ehrliche Antwort auf diese Frage wird die Akzeptanz der Wärmewende weiter sinken.

– Drucksache 23/3791 –