Offener Brief: Liebe Grüne, lieber NABU, lieber BUND, lassen Sie uns gemeinsam dafür kämpfen, dass zukünftig JEDER gefällte BAUM mindestens 1 zu 1 nachgepflanzt

Folgenden offenen Brief habe ich am 19.02.2021 an die Grünen Hamburg, den NABU Hamburg sowie den BUND Hamburg geschickt.

 

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Liebe Grüne Hamburg, 

lieber NABU Hamburg, 

lieber BUND Hamburg, 

 

uns verbindet das Wissen darüber, wie wichtig Bäume für das Klima und für Hamburg sind. Nur müssen wir Worten auch Taten folgen lassen. Während wir entsetzt auf die Brandrodungen im Amazonasgebiet blicken, lassen wir unsere Aufgaben vor der eigenen Haustür schleifen. Im Vergleich zu 2015 haben wir in Hamburg knapp 9.000 Bäume und 11,7 ha Wald weniger vorzuweisen. So kann die grüne Stadt Hamburg nicht als Vorbild gelten. Bäume sind ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel und gegen die weitere Aufheizung unserer Stadt. Wir müssen endlich unserer Verpflichtung nachkommen, jeden gefällten Baum nachzupflanzen.  

Damit Hamburg weiterhin grün bleibt, müssen wir zusammen für folgende Punkte kämpfen: 

 

1.) Wir brauchen endlich valide Baumstatistiken, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln 

Gemäß Senat wurden seit 2015 3.339 Straßenbäume nicht nachgepflanzt, jedoch habe der Straßenbaumbestand innerhalb dieses Zeitraumes nur um 930 abgenommen. Beide Statistiken sollten sich bedingen, schließen sich jedoch aus. Mit diesen Zahlen ist der tatsächliche Bedarf nicht ermittelbar. Sie sind auch keine Grundlage, jubilierende Pressemitteilungen herauszugeben. Wir brauchen daher endlich seriöse Statistiken über Fällungen und Nachpflanzungen Hamburger Bäume jedweder Kategorie – ob Straßenbaum, Baum in der Parkanlage oder privater Baum. 

 

2.) Im Haushalt 2021/2022 ausreichend Mittel für die Nachpflanzung zur Verfügung stellen 

Für den Haushalt 2021/2022 sieht der Senat erneut keine ausreichenden Mittel für die Nachpflanzung der gefällten Straßenbäume vor. Im Durchschnitt wurden in den letzten fünf Jahren pro Jahr 2.579 Straßenbäume gefällt. Für die Jahre 2021 und 2022 stellt der Senat lediglich finanzielle Mittel für 720 Straßenbäume zur Verfügung. Damit sind die Bezirksämter erheblich unterfinanziert. Die Umweltbehörde muss endlich mindestens 3.000 Straßenbäume für die Bezirksämter finanzieren, um u. a. auch das in den letzten fünf Jahren angehäufte Baumdefizit abzubauen. 

 

3.) Mit Ausgleichszahlungen für Bäume auch endlich Bäume nachpflanzen 

Mit Drs. 22/2212 teilt der Senat mit, sofern kein Platz für Ersatzpflanzungen im öffentlichen Raum vorhanden ist, werden Ersatzzahlungen für Bäume zur Finanzierung von anderen Maßnahmen verwendet (seit 2015 3.401mal).  

Um den Baumbestand der Stadt Hamburg konstant zu halten, sollten von den Ausgleichszahlungen für Bäume verpflichtend auch Bäume nachgepflanzt werden, jedoch dürfen davon keine Straßenbäume finanziert werden. Werden diese Mittel – wie häufig erfolgt – für die Nachpflanzung von gefällten Straßenbäumen genutzt, werden lediglich gefällte Straßenbaum nachgepflanzt, jedoch nicht die auf privatem Grund gefällten Bäume. 

 

4.) Statistiken für Ausgleichszahlungen und Bäume aus Grünanlagen 

Die Fällungen auf Privatgrund werden von vier Bezirken nicht statistisch erfasst, ebenso wenig wie die Fällungen und Nachpflanzung in Parks und Grünanlagen. Bei letzterem gibt es sicherlich baumpflegerische Auslichtungen und Fällungen, damit sich Nachbarbäume besser entwickeln. Auch das kann statistisch festgehalten werden, diesen minimalen Mehraufwand sollte uns eine stichhaltige Statistik wert sein. Das Ziel, den Hamburger Baumbestand konstant zu halten, können wir nur erreichen, wenn wir die tatsächlichen Fällungen und die vorgenommenen Nachpflanzungen monitoren.  

 

5.) Baumpflanzstandorte durch Google und externe Firmen finden 

Das Unternehmen Google hat das „Tree Canopy Lab“ eingerichtet, in dem Satellitenbilder mit künstlicher Intelligenz ausgewertet werden, um potenzielle Baumstandorte zu ermitteln. Die erste Stadt, mit der Google zusammenarbeitet, ist Los Angeles. Los Angeles nutzt die Software für die Aufforstung der Stadt – geplant sind ein Baumbestand von 90.000 Bäumen kommendes Jahr und eine zusätzliche Pflanzung von 20.000 Bäumen pro Jahr.  

Im Bezirk Wandsbek hat das Bezirksamt nach der Idee der CDU-Fraktion ein externes Unternehmen beauftragt, Baumpflanzstandorte zu finden. Der Auftrag beinhalte die Prüfung von 8.587 ungeklärten Baumstandorten gemäß Baumkataster sowie die Prüfung von bis zu 1.000 neuen Standorten im Straßengrün vor Ort.  

Mithilfe von Google sowie externen Firmen sind zeitnah ausreichend Baumpflanzorte zu ermitteln, um endlich das Baumdefizit auszugleichen. 

 

Ich würde mich freuen, wenn wir zusammen für den gesamten Baumbestand (nicht nur Straßenbaumbestand) in Hamburg kämpfen. „Das Bäumepflanzen ist mit Abstand die günstigste und effektivste Lösung, dem Klimawandel zu begegnen.“ (Cowther, ETH Zürich). Dabei muss uns allen bewusst sein, dass eine 1-zu-1-Nachpflanzung der gefällten Bäume nur der erste Schritt sein kann. Ein Jungbaum kann das Grünvolumen eines ausgewachsenen Baumes nicht ersetzen. In einigen Städten von NRW erfolgt daher bereits eine Nachpflanzungsquote von 1 zu 4. Diese Quote scheint für einen Stadtstaat wie Hamburg sehr ambitioniert, jedoch werden wir uns auch noch über die Nachpflanzungsquote verständigen müssen. 

 

Weitere Beschreibungen zu den aufgeführten Punkten finden Sie bzw. findet ihr unter folgendem Link: 

https://www.sandrokappe.de/baeume-baustein-fuer-das-klima

 

Mit den besten Grüßen 

Sandro (Kappe)