Die Hamburgerinnen und Hamburger haben die Bewerbung der Stadt um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 abgelehnt. Das Ergebnis des Olympia-Referendums ist deutlich: Hamburg sagt Nein.
Stadtweit stimmten 357.911 Bürgerinnen und Bürger (54,9 Prozent) gegen die Bewerbung. Für Olympia votierten 293.819 Hamburgerinnen und Hamburger (45,1 Prozent). Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 49,6 Prozent.
Auch in unserem Bezirk Wandsbek fiel das Ergebnis negativ aus. Hier stimmten 81.503 Bürgerinnen und Bürger (52,6 Prozent) mit Nein und 73.570 (47,4 Prozent) mit Ja. Die Beteiligung lag bei 49,7 Prozent.
So haben Bramfeld, Steilshoop und Farmsen-Berne abgestimmt
Bramfeld:
- Ja: 7.486 Stimmen (42,0 Prozent)
- Nein: 10.325 Stimmen (58,0 Prozent)
- Abstimmungsbeteiligung: 47,2 Prozent
Steilshoop:
- Ja: 1.446 Stimmen (37,1 Prozent)
- Nein: 2.456 Stimmen (62,9 Prozent)
- Abstimmungsbeteiligung: 34,1 Prozent
Farmsen-Berne:
- Ja: 5.147 Stimmen (43,4 Prozent)
- Nein: 6.711 Stimmen (56,6 Prozent)
- Abstimmungsbeteiligung: 45,1 Prozent
Damit haben alle drei Stadtteile die Olympia-Bewerbung mehrheitlich abgelehnt. Besonders deutlich fiel das Ergebnis in Steilshoop aus.
Ging es wirklich um Olympia?
In den vergangenen Wochen habe ich mit vielen Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. Dabei hatte ich häufig den Eindruck, dass sich die Abstimmung nicht ausschließlich um Olympia drehte. Viele Menschen sagten mir, dass sie dem Senat ein solches Großprojekt schlicht nicht mehr zutrauen.
Als Gründe wurden immer wieder die zahlreichen Baustellen in Hamburg genannt. Viele Anwohner erleben täglich Projekte, die sich verzögern, jahrelang andauern oder zeitweise scheinbar stillstehen. Das Vertrauen, dass ein olympisches Großereignis reibungslos organisiert und umgesetzt werden könnte, ist dadurch offenbar gesunken.
Hinzu kommen zahlreiche Beispiele aus dem Alltag: Das Lehrschwimmbecken am Marie-Bautz-Weg in Farmsen sollte ursprünglich deutlich früher fertiggestellt werden und lag einst bei rund sechs Millionen Euro Baukosten. Inzwischen werden Kosten von rund 21 Millionen Euro genannt.
Beim Farmsener TV wurde am Freitag erneut deutlich, wie lange wichtige Projekte dauern können. Das geplante Vereinsheim wird seit rund zehn Jahren diskutiert. Ursprünglich sollte spätestens 2026 gebaut werden. Nun wird mit einem Baustart frühestens 2027 gerechnet, die Fertigstellung wird erst 2028 erwartet.
Auch bei großen Infrastrukturprojekten wachsen die Zweifel vieler Bürger. Die neue Klärschlammverbrennungsanlage VERA II wurde ursprünglich mit deutlich niedrigeren Kosten geplant. Inzwischen werden Kosten von über 500 Millionen Euro genannt, während intern sogar noch höhere Summen diskutiert werden.
Ein Warnsignal für Rot-Grün
Das Olympia-Referendum war eines der wichtigsten politischen Projekte des Senats in diesem Jahr. Entsprechend intensiv wurde für die Bewerbung geworben. Die Abstimmung wirft deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Haben die Hamburger Olympia abgelehnt – oder haben sie vor allem ihr Misstrauen gegenüber der Fähigkeit des Senats zum Ausdruck gebracht, ein solches Jahrhundertprojekt erfolgreich umzusetzen?
Viele Gespräche der vergangenen Wochen deuten zumindest darauf hin, dass nicht die Idee von Olympia allein ausschlaggebend war. Vielmehr scheint bei zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern die Sorge vorzuherrschen, dass Kosten aus dem Ruder laufen, Zeitpläne nicht eingehalten werden und Versprechen am Ende nicht erfüllt werden.
Der Senat wird sich nun mit der Frage auseinandersetzen müssen, welche Konsequenzen er aus diesem Votum zieht. Denn unabhängig davon, wie man zu Olympia steht: Ein so deutliches Nein zu einem der zentralen Projekte der Regierung sollte Anlass sein, über das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit der Politik nachzudenken.
Alle Informationen unter: https://www.wahlen-hamburg.de/Olympia-Referendum_2026/

