Biomasse-Partnerschaft Hamburg-Namibia – sinnvolle Alternative zu Kohle oder negativer Eingriff in die Natur?

Die Stadt Hamburg prüft den Einsatz von Holzpellets aus der namibischen Schwarzdorn-Akazie zur Energiegewinnung, da sich diese zurzeit unverhältnismäßig stark in ihrer Heimat ausbreitet.

 

Einerseits soll dies den Kohleausstieg beschleunigen, andererseits die Verbuschung der Savanne stoppen.

Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) und Wärme Hamburg GmbH prüfen derzeit mit wissenschaftlicher Unterstützung die Möglichkeit, aus namibischem „Buschholz“ hergestellte Holzpellets zu importieren und diese zur Energieerzeugung in Hamburger Kraftwerken einzusetzen.

 

Laut BUKEA (siehe https://www.hamburg.de/energiewende/namibia-biomass-partnership/) handelt es sich beim Buschholz um das Holz der Schwarzdorn-Akazie und anderer Büsche, welche sich stark in der offenen namibischen Grassavanne ausbreiten. Die Verbuschung führe zu schwerwiegenden Einschränkungen der biologischen Vielfalt, des Lebensraums von Tieren und Pflanzen, der Produktivität von (Weide-)Flächen und der Neubildung von Grundwasser

 

Auf der anderen Seite beschreibt die BUKEA die Nutzung von Buschholz als Chance für die wirtschaftliche Entwicklung Namibias und erwähnt diverse Nutzungsmöglichkeiten, darunter die Energiegewinnung. Die Ernte des Buschholzes erfolge v.a. lokal und in kleinem Umfang

 

Durch die Entnahme könne die Verbuschung aufgehalten werden. Die aus dem Buschholz hergestellten Holzpellets könnten per Schiff nach Hamburg exportiert werden. Dadurch böten sich neue Möglichkeiten, hier bei der Fernwärme-Versorgung schneller aus der Kohle auszusteigen.

 

Soweit die Theorie, die nach Meinung der CDU-Bürgerschaftsfraktion noch einige Fragen offenlässt. Entsprechend haben wir nachgehackt (Drucksache 22/1831).

 

Besonders relevant sind die Treibhausgasemissionen, die im Rahmen der Verwendung von namibischem Buschholz als Energieträger in Hamburger Kraftwerken zu erwarten wären. So prognostiziert man zwar Werte, die deutlich unter denen einer Erdgasnutzung bzw. weit unter denen von Kohlefeuerung liegen würden. Allerdings basieren diese ausschließlich auf Studien, die meist nur Teilaspekte der Nutzungs- und Transportkette betrachten.

 

Die Kernfrage ist meiner Meinung nach aber eine andere, nämlich der Grund der zunehmenden Verbuschung der Savanne. Handelt es sich laut Senatsauskunft hier um eine Naturlandschaft, gilt es zu hinterfragen, was genau das natürliche Gleichgewicht aus dem Ruder gebracht hat.

 

Dies ist nicht eindeutig geklärt, als mögliche Ursachen werden u. a. eine zu intensive Beweidung, die Unterdrückung von Savannenfeuern und Klimaveränderungen in Betracht gezogen. Müsste nicht im Interesse Namibias vielmehr die Suche nach der Ursache intensiviert werden, damit sich das Ökosystem wieder erholen kann?

 

So zeigen sich die negativen Folgen bereits jetzt. In den verbuschten Gebieten gehen Wildtierpopulationen stark zurück, so zum Beispiel bestimmte Antilopenarten, Zebras und auch der vom Aussterben bedrohte Gepard. Außerdem entziehen die Büsche dem Boden über weitläufige Wurzelsysteme große Mengen an Wasser und verdunsten es über die Blätter, wodurch sich der Grundwassereintrag stark verringert. Auch dies hat großen Einfluss auf die Biodiversität.

 

Wenn der Mensch nun dauerhaft in das Ökosystem eingreifen muss, um es zu erhalten, wird damit wohlmöglich eine gefährliche Entwicklung angestoßen. Lohnt sich dieser Eingriff dann auch noch finanziell, tritt die Widerherstellung eines intakten Ökosystems vollends in den Hintergrund.

 

Laut Senat sind darüber hinaus weder die Eigentumsverhältnisse geklärt noch welche lokalen Akteure vom Holzexport profitieren würden. Das Thema Korruption wurde noch nicht einmal erörtert.

 

Alles in allem keine guten Voraussetzungen. Ob sich durch die Verfeuerung von namibischem Buschholz in Hamburger Kraftwerken dann auch tatsächlich der Ausstiegszeitpunkt aus der Steinkohle vorverlegen lässt, steht derzeit noch zur Diskussion.

 

Selbst wenn dieses Projekt der Hamburger Seite Vorteile einbringt, darf es in Namibia auf keinen Fall zu sozialen Schieflagen oder Umweltzerstörungen kommen. In einem solchen Fall wäre das Projekt ethisch nicht tragbar.

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