Am 26. September fand in der Steilshooper Moschee eine besondere Andacht statt: Die muslimische Gemeinde sowie Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche kamen zusammen, um gemeinsam zu beten, zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Genau solche Begegnungen bauen Brücken. Menschen unterschiedlicher Religionen kommen zusammen, sprechen miteinander statt übereinander und erfahren, was den jeweils anderen bewegt.
Ein besonderer Teil der Andacht hat mich nachdenklich gemacht. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden gebeten, ihre persönlichen Ängste und Sorgen aufzuschreiben. Anschließend wurden einige der Zettel vorgelesen.
Dabei ging es um ganz unterschiedliche Themen: um die Kriege in der Welt, steigende Preise und die Frage, ob die Rente später noch reicht. Um die Sorge, dass die Bildung schlechter wird. Um die Zukunft unserer Kinder und der nächsten Generationen. Auch die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz beschäftigt Menschen.
Andere äußerten die Sorge vor einer zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft, vor Vorurteilen oder davor, ihre Meinung irgendwann nicht mehr frei äußern zu können. Auch Ängste vor der AfD wurden genannt.
Besonders eindrücklich waren für mich die Schilderungen muslimischer Teilnehmer. Einige leben und arbeiten seit Jahrzehnten hier und berichteten dennoch von dem Gefühl, weiterhin als „Ausländer“ wahrgenommen zu werden. Sie erzählten von ihrer Angst vor Hass und davon, als Muslime pauschal für Dinge verantwortlich gemacht zu werden, mit denen sie persönlich nichts zu tun haben.
Für mich als Abgeordneten sind solche Begegnungen besonders wichtig. Hier hört man Sorgen nicht aus einer Statistik oder einer Drucksache, sondern direkt von den Menschen. Man sitzt zusammen, hört zu und bekommt unmittelbar mit, was die Menschen in Steilshoop beschäftigt und wovor sie Angst haben.
Zum Abschluss bildeten alle gemeinsam einen Kreis – Schulter an Schulter. Dabei wurde noch einmal die verbindende Botschaft des Abends hervorgehoben: Unabhängig von Religion und Herkunft verbindet uns mehr, als uns trennt.
Es wurde daran erinnert, dass nach der religiösen Überlieferung alle Menschen von Adam und Eva abstammen. Materielle Dinge seien am Ende nicht das Entscheidende. Entscheidend sei, zu lieben und geliebt zu werden.
Ein einfacher Gedanke, aber ein wichtiger: Ohne Liebe und Mitmenschlichkeit verliert vieles andere seinen Wert.
Danke an die muslimische Gemeinde sowie die katholische und evangelische Kirche für diese gemeinsame Andacht. Gerade in Zeiten, in denen viel über Spaltung gesprochen wird, brauchen wir mehr solcher Begegnungen.
Miteinander reden, einander zuhören und die Sorgen des anderen ernst nehmen – so werden Brücken gebaut.

