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Hamburg wirbt mit Klimaanpassung – weiß aber nicht, was tatsächlich umgesetzt wurde

Der Senat verweist regelmäßig auf Entsiegelungen, Schwammstadtprojekte, Gründächer, neue Versickerungsflächen und Maßnahmen gegen Hitze und Starkregen. Doch auf meine Frage nach den konkreten Ergebnissen zeigt sich: Hamburg besitzt nicht einmal einen vollständigen Überblick.

Nach Angaben des Senats werden Klimaanpassungsmaßnahmen von zahlreichen Behörden und Dienststellen in eigener Verantwortung umgesetzt. Eine zentrale Erfassung der Maßnahmen und ihrer messbaren Ergebnisse existiert nicht. Selbst eine Auswertung nach Bezirken sei deshalb nicht möglich.

Damit kann der Senat für zentrale Bereiche keine vollständigen Angaben machen:

  • Wie viele Flächen wurden insgesamt entsiegelt?
  • Wie viele neue Versickerungsflächen entstanden?
  • Wie viel zusätzliches Regenwasser kann zurückgehalten werden?
  • Wie viele Schwammstadtmaßnahmen wurden umgesetzt?
  • Wie viele Pocket Parks wurden geschaffen?
  • Wie entwickelte sich die Fassadenbegrünung insgesamt?

Ausgerechnet bei einem der wichtigsten Zukunftsthemen fehlt damit die Grundlage, um Fortschritte zu messen und die Wirkung der eingesetzten Haushaltsmittel zu bewerten.

Wenige Zahlen und viele Lücken

Für 2025 nennt der Senat immerhin einige Einzelergebnisse. Über das Förderprogramm „Hamburger Gründachförderung“ entstanden demnach 9.939 Quadratmeter neue Gründächer sowie 2.144 Quadratmeter Fassadenbegrünung. Im Sieleinzugsgebiet von Hamburg Wasser wurde ein Zuwachs der Gründachfläche um 3.961 Quadratmeter festgestellt.

Bei den Schulhöfen wurden 2025 rund 10.000 Quadratmeter entsiegelt. Wie viel Regenwasser dadurch zurückgehalten werden kann oder welchen konkreten Beitrag diese Flächen zur Schwammstadt leisten, wird jedoch nicht zentral erfasst.

Besonders ernüchternd ist die Bilanz bei den Trinkwasserspendern: Weder die Stadtreinigung noch Hamburg Wasser errichteten 2025 oder 2026 eine neue Anlage. Hamburg verfügt weiterhin lediglich über 54 öffentliche Trinkwasserspender.

Für 2026 liegen in vielen Bereichen noch gar keine Zahlen vor. Angaben zu neuen Gründächern sollen beispielsweise erst Ende des ersten Quartals 2027 verfügbar sein.

Klimaanpassung darf nicht nur aus einzelnen Projekten und wohlklingenden Programmen bestehen. Wer behauptet, Hamburg konsequent auf Hitze und Starkregen vorzubereiten, muss auch messen können, was tatsächlich umgesetzt wurde. Ohne gemeinsame Datengrundlage, klare Ziele und eine Auswertung nach Bezirken lässt sich weder erkennen, wo Hamburg vorankommt, noch wo besonders große Defizite bestehen.

Der Senat kann viel aufzählen – aber seine eigene Bilanz nicht vollständig beziffern. Das ist für eine Millionenstadt, die sich auf zunehmende Wetterextreme vorbereiten muss, deutlich zu wenig.

Quelle: Schriftliche Kleine Anfrage von Sandro Kappe und Antwort des Senats, Bürgerschaftsdrucksache 23/5166 vom 8. September 2026.