Nachverdichtung im Quartier Hegholt – Bürgerbegehren und die Reaktionen der SAGA und des Bezirksamtes

Die Bürgerinitiative „Bürgerbegehren gegen die Nachverdichtung – Quartier Hegholt“ spricht sich, wie auch die CDU Bramfeld/Steilshoop, gegen das Bauvorhaben aus. Laut der Initiative hatte die SPD vor Jahren versprochen, hier von einer Bebauung abzusehen. An diesem Versprechen soll festgehalten werden. Wie die SAGA und das Bezirksamt die angebrachte Kritik bewerten und kommentieren, habe ich für Sie zusammengetragen.

 

Vor kurzem habe ich Ihnen von der Bürgerbefragung zur geplanten Nachverdichtung im Hegholt berichtet, die überwiegend ablehnend ausgefallen ist.

 

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Wie die SAGA nun mitteilt, sieht das eine Bürgerinitiative ganz ähnlich. So erhielt die SAGA am 29.12.2020 eine Petition mit dem Titel „Bürgerbegehren gegen die Nachverdichtung – Quartier Hegholt“.

 

Die Petition umfasst ein Anschreiben, Fotos, Unterschriftenlisten aus diversen Häusern und sieben Argumente gegen eine Quartiersentwicklung sowie Fotos aus dem Quartier. Absender und Organisatorin ist eine 70-jährige SAGA-Mieterin, wohnhaft in der Haldesdorfer Straße, in direkter Nachbarschaft zur zukünftigen Baustelle.

 

Im Anschreiben des Dokuments bezieht sich die Verfasserin auf ein Versprechen im Jahr 2003 des damals kandidierenden, aber nicht gewählten SPD-Politikers Thomas Mirow. Die beiliegenden Fotos zeigen die aktuelle Parkplatzsituation, Grünräume und den Spielplatz im Carl-Bremer-Ring.

 

Das Schreiben beinhaltet zusammenfassend folgende Argumente gegen die Nachverdichtungen:

  • Einzigartigkeit und Beliebtheit des Spielplatzes im Carl-Bremer-Ring
  • Baustelle als Gefahrenquelle für Kinder
  • Stellplatzmangel und Parkdruck im gesamten Quartier
  • Verschattung der Wohnungen in der Haldesdorfer Straße 129-133
  • Schutz der bestehenden Grün- und Freiräume
  • Bauimmissionen verhindern Lüften und führen zu Schimmelbildung in den Wohnungen

Weiter heißt es, dass die Teilnehmer der Petition gegen den Neubau von Wohngebäuden überwiegend im Willy-Nissen-Ring in direkter Nachbarschaft zur Organisatorin wohnen. Eine nähere Analyse zu den Wohnorten der 224 Teilnehmer ergibt folgendes: 160 Bewohner im Willy-Nissen-Ring, sowie 35 Anwohner im Karl-Müller-Ring und 29 Einwohner im Carl-Bremer-Ring.

 

Da dieselben Gründe gegen die Quartiersentwicklung in der Umfrage genannt wurden, vermutet die SAGA, dass die negativen Stimmen der Umfrage, die Teilnehmer dieser Petition sind.

 

Die SAGA und das Bezirksamt sehen sich immerhin genötigt, die aufgeführten Gründe aufzunehmen und einer näheren Betrachtung zu unterziehen.

 

Auf einige Punkte will ich hier gerne näher eingehen.

 

Erhöhter Parkdruck:

 

SAGA: Alle abzubrechenden Stellplätze/Garagen, werden in fußläufiger Nähe wiederhergestellt und befinden sich in Tiefgaragen, bzw. in der Quartiersgarage. Es entfallen also keine Parkplätze durch die Nachverdichtung. Die Anzahl der Stellplätze für den Bestandswohnungen bleibt erhalten. Für die neuen Wohnungen werden zusätzliche Stellplätze zur Verfügung gestellt. Gemäß Geschäftsstelle sind 11% der oberirdischen Stellplätze im Quartier nicht vermietet. Das entspricht 70 Stellplätzen im Leerstand, zu einer Miete von ca. 20 € im Monat.

 

Bezirksamt: Die Hamburger Bauordnung sieht keinen verpflichtenden Stellplatzschlüssel für Wohngebäude vor. Der angedachte Stellplatzschlüssen von 0,45 wird als angemessen angesehen.

 

Die Argumentation der SAGA bezieht sich hier ausschließlich auf die zu vermietenden Stellplätze. Diese sind jedoch für viele Anwohner/innen gar nicht bezahlbar. Die Parkplätze im öffentlichen Raum werden jedoch minimiert, einerseits durch den Zuzug neuer Menschen als auch durch die Überplanung der Haldesdorfer Straße, bei der ebenfalls Parkplätze wegfallen werden.

 

Verlust von Grünflächen/Baumfällungen:

 

SAGA: Durch den Abbruch der weitläufigen Stellplatzanlagen und Garagenhöfe findet in der Gesamtbetrachtung eine Entsiegelung der Flächen statt. Durch die Nachverdichtungen werden die Flächen nutzbar als Wohn- und Freiräume für die Bewohner des Quartiers. Alle Bäume im Umkreis der Potentialflächen wurden bereits durch spezialisierte Baumpfleger begutachtet. In der gesamten Planung wurde maximale Rücksicht auf Bestandsbäume genommen. Es werden nur Bäume gefällt, die als nicht erhaltenswert begutachtet wurden.

 

Das Bezirksamt teilt diese Einschätzung.

 

Eine, wie ich finde, abenteuerliche Behauptung. Selbst wenn die weitläufigen Stellplatzanlagen und Garagenhöfe abgetragen werden, werden die freigewordenen Flächen doch wieder bebaut. Das neue Punkthaus an der Haldesdorfer Straße 140 würde gar auf einer bis jetzt unversiegelten Rasenfläche entstehen.

 

Die geplanten Baumfällungen sehe ich ebenfalls kritisch. Ich möchte der SAGA keine böse Absicht unterstellen, aber erfahrungsgemäß wird bei Bauarbeiten gerne mehr gefällt als wirklich nötig ist. Vor allem wenn der Bauherr entscheidet, was erhaltenswert ist und was nicht. Eine transparente Offenlegung der Analyse der eingesetzten Baumpfleger würde mich sehr interessieren.

 

Zu hohe Bevölkerungsdichte:

 

SAGA: Die Anzahl der Wohneinheiten/der Bevölkerungsdichte im Quartier Hegholt wächst um ca. 120-140 WE (ca. 9% Zuwachs). Seit 1997 wurden keine neuen Wohngebäude im Quartier errichtet. Seitdem ist die Nachfrage an bezahlbarem Wohnraum in Hamburg erheblich gestiegen. Die Bevölkerungsdichte im Hegholt ist niedriger als in vergleichbaren Hamburger Quartieren.

 

Bezirksamt: Die Argumentation der SAGA wird durch das Bezirksamt geteilt.

 

Auf den ersten Blick mögen 120 bi 140 WE nicht viel erscheinen. Schaut man jedoch über die Quartiersgrenze hinaus, wird deutlich, dass dies nicht die einzige Baustelle ist. So sollen im Moosrosenquartier in Bramfeld bis zu 1.200, am Mützendorpsteedt weitere 64 und in Steilshoop-Nord nochmals 400 Wohnungen entstehen. Mehr als 3.000 zusätzliche Bewohner/innen sind die Folge. Bramfeld und Steilshoop wachsen gefühlt ungebremst, während andere Stadtteile so gut wie gar nicht bauen.

 

Allgemeine Verschlechterung der Wohn und Lebensqualität:

 

SAGA: Durch die barrierereduzierte Ausstattung der neuen Wohnungen, durch eine Außenraumplanung mit Aufenthaltscharakter und einen sensibel gewählten Wohnungsmix wird es aus Sicht der SAGA Unternehmensgruppe zu einer Verbesserung der Lebensqualität für Bewohner jeden Alters kommen. Die Argumentation der SAGA wird durch das Bezirksamt geteilt.

 

Auch hier kann ich der Argumentation nicht recht folgen. Selbst wenn die Wohnungen noch so hübsch gestaltet sein sollten, verbessert dies doch nicht die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Weder während der Bauarbeiten (Lärm, Schmutz etc.) noch danach. Die Anwohner/innen werden noch enger zusammenrücken müssen als vorher. Helfen würden ein Ausbau der sozialen Infrastruktur. Nicht ohne Grund hat es dieser Punkt wohl als letztes auf die Liste geschafft.

 

Fehlende soziale Infrastruktur (Ärzte, KiTa, Schule):

 

SAGA: Ob die bestehende Infrastruktur, in Form von KiTa, Schulen oder Ärzten, ausgebaut werden muss obliegt dem WBZ Wandsbek und wird in der weiteren Planung geprüft.

 

Bezirksamt: Dafür zuständig ist die Koordinationsstelle urbanes Leben bei der BASFI.

 

Wie ich finde einer der wichtigsten Aspekte. Wenn immer mehr Wohnraum entsteht, muss auch die Infrastruktur mitwachsen, ansonsten sind Probleme vorprogrammiert. Das werden auch die SAGA und das Bezirksamt wissen, die sich vorsichtshalber schon einmal von jeglicher Verantwortung freisprechen und auf Dritte verweisen.

 

Die SAGA sieht die Zuständigkeit beim Bezirksamt, welches wiederum die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) in Verantwortung sieht. Ein Trauerspiel. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier nur die von der Stadt vorgegebenen Zahlen für neuen Wohnraum umgesetzt werden sollen. Wie die Menschen dann dort leben, scheint weder die SAGA noch das Bezirksamt besonders zu interessieren.

 

Es bleibt dabei, bei uns wurde bereits mehr als genug nachverdichtet. Der CDU-Ortsverband Bramfeld/Steilshoop hat sich bereits in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen und wird dies auch in Zukunft tun. Wenn Nachverdichtungen durchgeführt werden, dann an den großen Magistralen, wo sie durch eine Erweiterung bspw. den Schall nach hinten eindämmen.

 

Wie die SAGA als auch das Bezirksamt zu weiteren Punkten Stellung bezogen haben, können Sie in dem angehängten PDF-Dokument nachlesen.

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SAGA - Auswertung der Hinweise.pdf
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