Immer häufiger berichten Bürgerinnen und Bürger aus Farmsen-Berne von Nutria-Sichtungen. Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Nagetiere sind längst nicht mehr nur in Bergedorf oder Harburg anzutreffen. Auch entlang der Berner Au, an Rückhaltebecken und Gewässern im Bezirk Wandsbek werden die Tiere regelmäßig beobachtet.
Die jüngste Antwort des Senats auf eine CDU-Anfrage zeigt jedoch vor allem eines: Obwohl die invasive Art inzwischen hamburgweit verbreitet ist, verfügt der Senat über erstaunlich wenige belastbare Erkenntnisse über ihre tatsächliche Verbreitung und die daraus entstehenden Schäden.
Seit Mai 2025 wurden hamburgweit 437 Nutria-Meldungen erfasst. Allein im Bezirk Wandsbek gingen 72 Meldungen ein. Damit liegt Wandsbek hamburgweit auf dem dritten Platz hinter Bergedorf und Hamburg-Mitte.
Besonders kritisch ist dabei, dass der Senat weder eine Auswertung nach Stadtteilen noch nach konkreten Gewässern oder Parks vorlegen kann. Obwohl zahlreiche Bürger Sichtungen melden, weiß die Stadt nicht, wo die Schwerpunkte der Ausbreitung liegen. Auch zu Wandse, Berner Au oder anderen Gewässern gibt es laut Senat keine detaillierten Erkenntnisse. Begründet wird dies damit, dass die Meldungen nicht standardisiert erfolgen und Mehrfachmeldungen nicht ausgeschlossen werden können.
Das wirft Fragen auf. Wenn die Umweltbehörde die Bürger ausdrücklich zur Meldung von Nutrias auffordert, sollte sie diese Informationen auch systematisch auswerten können. Gerade für Stadtteile wie Farmsen-Berne wäre es wichtig zu wissen, ob sich dort bereits dauerhafte Populationen etabliert haben und welche Risiken für Gewässer, Böschungen oder wasserwirtschaftliche Anlagen bestehen.
Hinzu kommt: Der Senat räumt selbst ein, dass Nutrias Schäden durch Unterhöhlungen an Böschungen und Gräben verursachen können. In anderen Bundesländern und europäischen Regionen haben die Tiere bereits erhebliche Schäden an Deichen und Gewässeranlagen verursacht. Dennoch gibt es in Hamburg bislang kein systematisches Monitoring der Bestände. Stattdessen verlässt man sich auf Bürgerhinweise und Jagdstatistiken.
Dabei zeigt die Entwicklung durchaus eine Größenordnung. Im vergangenen Jagdjahr wurden bereits 4.907 Nutrias erlegt. Zudem wurden zwischen Januar 2025 und Mai 2026 für 4.588 erlegte Tiere sogenannte Schwanzprämien in Höhe von insgesamt 44.814 Euro ausgezahlt.
Trotzdem hält der Senat an seiner Einschätzung fest, dass Hamburg derzeit nicht vor einer Nutria-Plage steht. Ob diese Einschätzung dauerhaft Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Wenn immer mehr Tiere auch in Farmsen-Berne auftauchen, braucht es mehr als bloße Sichtungsmeldungen. Der Senat sollte endlich eine belastbare Datengrundlage schaffen, um die Entwicklung frühzeitig beurteilen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.