Borchertring/Steilshoop: Abriss der Schulgebäude und Turnhalle noch in 2020 geplant – Verschenktes Potenzial, da Neubau-Termin ungewiss

Meine Kleine Schriftliche Anfrage 22/1856 an den Senat ergab: Obwohl die Sporthalle am Borchertring verkehrssicher ist und noch genutzt wird, soll sie im Auftrag der SAGA zeitnah abgerissen werden.

 

Begründet wird dies mit der geringen Nutzerzahl.

 

Jedoch wird hierbei außer Acht gelassen, dass sich eine Anmietung überaus schwer gestaltete und nie öffentlich bei den Vereinen und Einrichtungen beworben wurde.

 

Entstehen sollen Wohnblöcke, die am Nordrand der Großbausiedlung Steilshoop zwar die akute Wohnungsnot etwas lindern werden, doch den Entwicklungszielen dieses Stadtteils mit größtenteils sehr niedrigem Sozialstatus und stagnierender -dynamik zuwiderlaufen.

 

Obwohl noch kein konkreter Bau- und Zeitplan für einen 192 Wohneinheiten fassenden Neubau vorliegt und somit viel Zeit verstreichen wird, werden nun Fakten geschaffen. Die Abrissgenehmigung wurde erteilt. Das bestehende Potenzial der Sporthalle und des Schulgebäudes wird verschwendet.

 

Nach dem Bebauungsplan Steilshoop 11, sollen im Areal der „Schule am See“, Borchertring 34-38, noch im vierten Quartal 2020 die Abrissarbeiten beginnen. Betroffen sind fast alle Gebäude – das Doppel-H-Gebäude, das Fachklassengebäude, die Aula, das Eingangszentrum mit Hausmeisterwohnung und die Turnhalle.

 

Statt wie in der Hafencity ökologischen, innovativen und begrünten Wohnbebauung vorzunehmen, soll Steilshoop noch mehr eintönige Hochhäuser erhalten. Geplant sind bis zu sieben Vollgeschosse in gestaffelter Bauweise (Drs. 22/1476). Die vor Jahren abgestimmten Pläne sind nicht mehr zeitgemäß.

 

Ich finde, dass die Abriss- und Neubauarbeiten hier zeitlich besser abgestimmt werden sollten. Die demnächst nicht mehr mögliche Nutzung der verkehrssicheren Sporthalle und verkehrssicheren Schulgebäude ist verschenktes Potenzial.

 

Durch den Ausfall der öffentlichen Planungsdiskussion wird die nächsten Monate kein Neubau möglich sein. Insbesondere durch die Corona-Vorschriften sind Vereine ab Dezember wieder auf größere und mehr Räume angewiesen. Dieses Potenzial wird dem Stadtteil ohne Grund genommen.

 

Steilshoop weißt viele graue Einheitsbauten auf. Nun will der Senat weitere Einheitsbauten bauen lassen. In der Hafencity werden regelmäßig ökologische und innovative Bauten errichtet. Für Steilshoop wird hingegen lediglich Einheitsbau vorgesehen. Die fehlende Wertschätzung des Senats im Vergleich zu Vorzeigeviertel wie die Hafencity ist deutlich erkennbar.

 

Ich wünsche mir, dass der Senat erst den Abriss vornimmt, wenn ein Baubeginn absehbar ist, damit die Flächen den gebeutelten Vereinen zur Verfügung gestellt werden können. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, ist viel Platz vonnöten. Die Gebäude inkl. der Turnhalle bieten sich an.

 

Auch ist zu überlegen, ob ein Einheitsbau ohne wahren ökologischen Ansatz noch zeitgemäß ist. Ein begrüntes Wohnhaus direkt am Bramfelder See würde Steilshoop deutlich aufwerten.

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Kommentare: 4
  • #1

    Bramfelder (Montag, 09 November 2020 16:51)

    Tatsächlich wird das wenig genutzte Areal auch immer wieder unerlaubterweise als Unratfläche genutzt. Ein Zustand, der eigentlich auch Sandro Kappe (CDU) übel aufstieß. Zumindest verwies er noch im September in einer kleinen Anfrage an den Senat darauf, dass sich durch die Corona-Krise der Neubau verzögere und „in der Zwischenzeit einige Unverbesserliche das Grundstück als Wertstoffhof“ missbrauchen würden. Der Unrat würde sich gar türmen.

    Ob die Forderung nach einer Verschiebung des Abrisses nun Gehör findet ist fraglich, seit Mai liegt bereits die Abrissgenehmigung vor. (fkm)

    Sie wissen es doch seit langem Herr Kappe!

  • #2

    Sandro Kappe (Montag, 09 November 2020 17:22)

    Moin moin,

    ich wusste, dass abgerissen worden soll. Ich wusste aber nicht, wann abgerissen werden soll und dass noch kein Baubeginn feststeht. Wenn ich abreiße, dann sollte ich auch wissen, wann ich anfange zu bauen.
    Allraune hat eine Zwischennutzung mit Reinigung angeboten. Hat der Senat abgewiesen. Das wäre für mich eine Option.

    Mit den besten Grüßen
    Sandro Kappe

  • #3

    Nachbarin (Freitag, 13 November 2020 20:40)

    Hallo Herr Kappe,

    ich sehe das genauso und wir Bürger haben zwar eine Stimme, aber diese wird nicht gehört, sondern über unsere Köpfe hinweg regiert, auch bei der Umsetzung des Straßenbaus oder der geplante Tower in der HafenCity. Einige Firmen geben die Gewerbeflächen auf wegen Homeoffice!
    Unverständlich manche Handlungen hier in HH.

  • #4

    Ann (Samstag, 14 November 2020 13:41)

    Wahre und klare Kommunikation beugt Politikverdrossenheit vor und sorgt für Glaubwürdigkeit. Steilshoop matters!

    Hätte die Politik die im Frühjahr 2020 erteilte Abrissgenehmigung klar kommuniziert, wäre vielleicht schon heute ein Bürgerbegehren mit den nötigen Stimmen zugunsten der Steilshooper durch. Wenn es nun kein Moratorium von mehreren Monaten gibt, welches man etwa für die Organisation eines Bürgerbegehrens benötigen würde, müssten sich die agierenden Politiker die Frage gefallen lassen, ob sie irreführend kommunizieren. Es kommt jetzt auf einige Monate mehr oder weniger auch nicht mehr an, um den Prozess sauber zu Ende zu bringen. Bis es eine Baugenehmigung gibt, sollten die Vereine weiter ihre Angebote durchführen können. Wir brauchen jetzt insbesondere wegen Corona Platz wie allgemein in der Zeitung steht. Das passt.
    ===
    Im Detail: Es stimmt, dass Abrisspläne seit Jahren diskutiert werden. So gab es u. a. im Sommer 2020 eine Veröffentlichung, in der steht, dass der Neubau auf dem entsprechenden Gelände für 2024 (24 !) geplant sei. Im Internet wurde die Zahl nun kurzfristig auf 2021 geändert. Warum hat die Politik, die seit dem Frühjahr 2020 von der Abrissgenehmigung wusste, den Termin in den zahlreichen Gesprächen mit den Steilshoopern und den Sitzungen im Stadtteilbeirat verschwiegen? Soweit mir bekannt ist, haben die Vereine im Oktober 2020 die Mitteilung bekommen, dass am 23. November 2020 die Strom-Leitungen gekappt werden. Erst daraufhin wurde u. a. durch Herrn Kappe nachgefragt, ob es denn überhaupt eine Abrissgenehmigung usw. gäbe und erst deshalb kam heraus, dass die Abrissgenehmigung ohne Kenntnis der Öffentlichkeit bereits seit Frühjahr 2020 vorgelegen hat. Wieso wird eine so genannte öffentliche Plandissussion für Anfang November 2020 anberaumt, wenn zwei Wochen später die Stromleitungen gekappt werden sollen? Die bisherige politische Kommunikation erscheint mir absolut irreführend und möglicherweise mit Bezugnahme auf die Pandemie zu entschuldigen. Ein Abriss ohne Moratorium wäre in meinen Augen dagegen demokratisch gesehen ein Unding.