Die hausärztliche Versorgung in Steilshoop steht seit Jahren unter Druck. Umso schwerer wiegt ein Bericht einer Hamburger Hausärztin, die sich ursprünglich sogar vorstellen konnte, ihre Praxis in Steilshoop zu eröffnen. Am Ende scheiterte das Vorhaben jedoch an der Suche nach geeigneten Praxisräumen, komplizierten Genehmigungsverfahren und mangelnder Unterstützung.
Die Ärztin Karen Haß schildert im aktuellen KVH-Journal eindrucksvoll ihren jahrelangen Weg auf der Suche nach geeigneten Praxisräumen. Dabei macht sie deutlich: Sie wäre durchaus bereit gewesen, in einem schlechter versorgten Stadtteil wie Steilshoop tätig zu werden.
Wörtlich erklärt sie:
„Ich wäre auch ins schlechter versorgte Steilshoop gegangen.“
Doch daraus wurde nichts.
Geeignete Praxisräume sind Mangelware
Nach Angaben der Ärztin erfüllten viele angebotene Räume die Anforderungen für eine Arztpraxis nicht. Häufig waren umfangreiche Umbauten erforderlich. Teilweise scheiterten Vorhaben an Nutzungsänderungen, Brandschutzauflagen oder Barrierefreiheitsanforderungen.
Hinzu kam, dass viele Eigentümer kein Interesse hatten oder Anfragen unbeantwortet blieben. Die Ärztin berichtet sogar davon, Wohnungsbaugesellschaften, die SAGA sowie soziale Träger kontaktiert zu haben – oft ohne Rückmeldung.
Besonders bemerkenswert: Als sie von einem großen Neubaugebiet in Farmsen hörte, hoffte sie auf neue Möglichkeiten für eine Praxis. Doch auch dort erhielt sie nach eigenen Angaben keinen Ansprechpartner.
Steilshoop verliert eine weitere Chance
Für Steilshoop ist dieser Bericht alarmierend. Der Stadtteil leidet bereits heute unter einem Mangel an Hausärzten. Gleichzeitig wird immer wieder deutlich, wie schwierig es für neue Mediziner ist, geeignete Praxisräume zu finden.
Dabei zeigt der Fall: Es mangelt nicht zwingend an Ärztinnen und Ärzten, die bereit wären, Verantwortung in schlechter versorgten Stadtteilen zu übernehmen. Vielmehr scheitern Ansiedlungen oft an den Rahmenbedingungen.
Forderung nach aktiver Unterstützung
Die Ärztin fordert deshalb eine zentrale Anlaufstelle, die Mediziner bei der Suche nach Praxisräumen unterstützt, Kontakte zu Eigentümern herstellt und durch die komplexen Genehmigungsverfahren begleitet.
Auch die Bezirke sollten nach ihrer Auffassung stärker eingebunden werden. Es brauche Ansprechpartner mit Überblick über verfügbare Gewerbeflächen und mögliche Praxisstandorte.
Diese Forderung deckt sich mit den Problemen, die wir seit Jahren in Steilshoop beobachten. Während die Versorgungslage immer schwieriger wird, fehlt weiterhin eine aktive Strategie, um neue Hausärzte für den Stadtteil zu gewinnen.
Der Bericht zeigt eindrucksvoll: Eine Ärztin war bereit, nach Steilshoop zu kommen. Gescheitert ist sie nicht am Stadtteil, sondern an den Rahmenbedingungen. Für die Menschen vor Ort ist das eine schlechte Nachricht – und ein weiterer Beleg dafür, dass Hamburg endlich mehr tun muss, um die medizinische Versorgung in benachteiligten Stadtteilen zu sichern.
Quelle: KVH-Journal 6/2026, Beitrag „Ende einer Odyssee“ von Karen Haß (siehe beigefügte Seiten).



