Hamburg will bereits 2040 klimaneutral sein – fünf Jahre früher als der Bund es vorsieht. Diese Zielsetzung verändert die städtische Wärmeversorgung grundlegend und stellt auch das Hamburger Gasnetz vor große Herausforderungen. Doch was bedeutet das konkret für Bürgerinnen und Bürger? Wie sicher ist der Weiterbetrieb des Gasnetzes? Und dürfen überhaupt noch Gasheizungen eingebaut werden? Die Antworten der Umweltbehörde (BUKEA) zeigen: Vieles ist noch offen, aber der Trend ist eindeutig.
Zunächst ist derzeit nicht absehbar, ob das gesamte Hamburger Gasnetz oder nur Teilbereiche bis 2040 für den Transport fossiler Energien abgeschaltet werden müssen. Laut BUKEA lässt sich darüber erst entscheiden, wenn die kommunale Wärmeplanung vorliegt und der Bund die notwendigen rechtlichen Grundlagen geschaffen hat – insbesondere Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz und weitere Vorgaben im Rahmen des europäischen Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets. Erst auf dieser Basis ist eine konkrete Gasnetz-Stilllegungsplanung möglich. Klar ist jedoch: Fossiles Erdgas wird schrittweise aus dem Wärmesektor verdrängt werden.
In den kommenden Jahren wird das Gasnetz eine abnehmende Rolle spielen. Die Hamburger Leitlinie für klimaneutrale Gebäudewärmeversorgung sieht gasförmige Biomasse und Wasserstoff lediglich als Randoptionen im Gebäudesektor. Wasserstoff soll primär in der Industrie eingesetzt werden, nicht im Heizungskeller. Das Gasnetz kann in der Übergangszeit zwar noch zur Entlastung des Stromnetzes beitragen, indem es Leistungsspitzen abfängt, doch langfristig wird die Bedeutung des Netzes sinken. Weitere Planungen hängen vollständig von der Wärmeplanung ab; erst deren Abschluss ermöglicht konkrete Entscheidungen.
Die wirtschaftliche Zukunft des Gasnetzes ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Nach aktuellem Stand gehen die Hamburger Energienetze davon aus, dass das Netz bis zum Ende seiner technischen Nutzungsdauer wirtschaftlich betrieben werden kann. Allerdings ist aufgrund sinkender Abnahmemengen mit steigenden Netzentgelten zu rechnen. Parallel dazu wird der Gaspreis selbst langfristig steigen – nicht zuletzt durch den europäischen Emissionshandel (ETS 2), der ab spätestens 2028 vollständig greift. Da die Zertifikate stetig verknappt werden, ist mit einer zunehmenden Verteuerung der Gasnutzung zu rechnen.
Auch die Frage nach dem Einbau neuer Gasheizungen bewegt viele Menschen. Grundsätzlich ist dies in Hamburg weiterhin möglich, allerdings nur unter strengen Bedingungen. Wer heute eine Gasheizung im Bestand einbauen lässt, muss einen Liefervertrag mit mindestens 15 Prozent Biomethan-Anteil vorweisen. Dieser Anteil steigt schrittweise an – 30 Prozent ab 2035 und vollständig 100 Prozent ab 2045. Zudem gilt ab Juli 2026 das Gebäudeenergiegesetz, nach dem neue Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen. Die BUKEA weist außerdem darauf hin, dass Biomasse eine knappe Ressource ist, deren Preise und Verfügbarkeit unsicher sind. Eine verpflichtende Beratung soll Verbraucherinnen und Verbraucher vor Fehlinvestitionen schützen.
Besonders relevant für Eigentümer ist jedoch eine Aussage der BUKEA: Es gibt keinen Rechtsanspruch darauf, dass das Gasnetz so lange weiterbetrieben werden muss, wie eine neu eingebaute Gasheizung technisch hält. Wer heute investiert, trägt das Risiko, dass das Netz früher stillgelegt wird – abhängig von politischen Entscheidungen und der Wärmeplanung.
Die Umweltbehörde rät Bürgerinnen und Bürgern, die kürzlich eine neue Gasheizung eingebaut haben, insbesondere zur Beobachtung der Kostenentwicklung, vor allem durch die steigende CO₂-Bepreisung und die unsicheren Biomethanpreise. Gegebenenfalls könne eine Hybridlösung aus Gasheizung und Wärmepumpe eine Option sein. Bürgern, die ihre Heizung zeitnah erneuern müssen, empfiehlt die BUKEA klar den Weg über Wärmepumpen oder den Anschluss an ein Wärmenetz. Hamburg stellt hierfür vielfältige Beratungs- und Förderangebote bereit, darunter die Hamburger Energielotsen, die Heizungsförderung, interaktive Wärmenetzkarten und einen Wärmepumpenrechner.
Insgesamt zeigen die Antworten der BUKEA deutlich: Das Hamburger Gasnetz steht vor einem langsamen, aber klaren Rückbau. Gas wird teurer, die Nutzung zunehmend reguliert, und langfristig wird das Heizen mit fossilen Energien in Hamburg kaum noch eine wirtschaftliche Perspektive haben. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das vor allem eines – frühzeitige Information und Beratung sind entscheidend, um kostspielige Fehlentscheidungen zu vermeiden. Hamburgs Weg zur Klimaneutralität bringt große Veränderungen mit sich, deren Ausgestaltung noch nicht vollständig feststeht. Doch der Kurs ist eindeutig: Die Zukunft der Wärmeversorgung liegt in Wärmepumpen und Wärmenetzen – nicht im Erdgas.

