Der geplante Ersatzneubau des Vereins- und Stadtteilzentrums des Farmsener Turnvereins (FTV) am Berner Heerweg sollte eigentlich längst auf der Zielgeraden sein. Doch stattdessen steht das Projekt weiterhin ganz am Anfang eines entscheidenden Schrittes: Eine Baugenehmigung liegt bislang nicht vor.
Und genau das wird zunehmend zum Problem.
Verzögerung mit Ansage – aber ohne klare Konsequenzen
Offiziell heißt es aus der Verwaltung: Für die fehlende Baugenehmigung gebe es „mehrere Gründe“. Genannt werden unter anderem:
- Nachforderungen bei der Grundstücksentwässerung
- Abstimmungen mit Nachbarn, insbesondere dem Sondervermögen Schulimmobilien und Schulbau Hamburg
- Klärungen bei Stellplätzen
Alles Punkte, die bei Bauprojekten dieser Art nicht ungewöhnlich sind. Umso kritischer ist, dass diese Themen offenbar erst jetzt im Genehmigungsverfahren richtig aufschlagen – und nicht bereits im Vorfeld sauber geklärt wurden.
Zeitplan kassiert – aber kein neuer in Sicht
Besonders irritierend:
Der Senat räumt ein, dass der ursprüngliche Zeitplan „anzupassen“ sei.
Doch ein angepasster Zeitplan? Fehlanzeige.
Damit steht fest:
- Der geplante Abriss im 1. Quartal 2026 ist nicht erfolgt
- Die Fertigstellung bis zum 3. Quartal 2027 ist nicht mehr realistisch
Trotzdem bleibt die Verwaltung konkrete Antworten schuldig. Für den Verein bedeutet das Planungsunsicherheit – für die Öffentlichkeit fehlende Transparenz.
Parallelen zum Lehrschwimmbecken: Wieder droht ein Dauerprojekt
Die Entwicklung erinnert stark an ein anderes Projekt im Stadtteil: den Neubau des Lehrschwimmbeckens in Farmsen.
Dort kam es zu massiven Verzögerungen und einer erheblichen Kostensteigerung – von ursprünglich rund sechs Millionen Euro auf inzwischen etwa 21 Millionen Euro, bei einer Fertigstellung erst Mitte 2027. (siehe https://www.sandrokappe.de/lehrschwimmbecken-farmsen-kostenexplosion-auf-21-millionen-euro-fertigstellung-nun-erst-mitte-2027/)
Auch damals wurde lange beschwichtigt, bevor die Realität offensichtlich wurde. Die Sorge liegt nahe, dass sich dieses Muster nun wiederholt.
Verein soll liefern – ohne Planungssicherheit
Besonders kritisch: Während die Verwaltung keinen belastbaren Zeitplan vorlegt, soll der FTV bereits handeln.
Die Übergangslösung über Container liegt vollständig in der Verantwortung des Vereins. Das bedeutet:
- Organisation und Umsetzung durch den FTV
- Planung ohne verlässliche zeitliche Grundlage
Das wirkt wie eine Verschiebung von Verantwortung – ohne die nötige Planungssicherheit zu gewährleisten.
Fehlende Steuerung im Bezirksamt
Die wiederholten Verzögerungen werfen auch Fragen an die Führung des Bezirksamts Wandsbek auf.
Immer wieder geraten Bauprojekte ins Stocken, Zeitpläne werden nicht eingehalten und Abstimmungen ziehen sich in die Länge. Der Eindruck entsteht, dass zentrale Projekte nicht mit der nötigen Priorität gesteuert werden.
Gerade bei einem Vorhaben, das sowohl den Verein als auch die soziale Infrastruktur im Stadtteil betrifft, wäre eine klare und aktive Steuerung notwendig.
Der Neubau des FTV ist wichtig und richtig – doch der aktuelle Umgang mit dem Projekt wirft viele Fragen auf:
- Warum wurden bekannte Probleme nicht frühzeitig geklärt?
- Warum gibt es keinen neuen Zeitplan?
- Warum wird der Verein mit Übergangslösungen allein gelassen?
Fest steht: Ohne klare Führung, Transparenz und Verbindlichkeit droht auch dieses Projekt zu einem weiteren Beispiel für verzögerte öffentliche Bauvorhaben in Farmsen zu werden. Der Bezirksamtsleiter vom Bezirksamt Wandsbek, Thomas Ritzenhoff, muss sich endlich der Problemstellung im Bezirk annehmen.
– Drucksache 23/3852 –

