Die Situation rund um die Elbkinder-Kita am Gropiusring in Steilshoop hat inzwischen ein erhebliches Ausmaß erreicht. Ratten wurden nicht nur im Umfeld der Einrichtung festgestellt, sondern auf dem gesamten Außengelände und inzwischen auch am und im Gebäude. Gleichzeitig zeigt die Antwort des Senats auf meine Schriftliche Kleine Anfrage: Zahlreiche Stellen kümmern sich jeweils um einzelne Bereiche – doch das eigentliche Problem im Quartier ist akut und lässt sich nicht allein innerhalb der Grundstücksgrenzen der Kita lösen.
Seit Jahren gibt es in Steilshoop Beschwerden über illegale Müllablagerungen, offen zugängliche Müllbehälter und die Fütterung von Tauben und anderen Tieren. Gerade Lebensmittelreste können Ratten zusätzliche Nahrungsquellen bieten.
Der Senat bestätigt selbst, dass zugängliche oder unsachgemäß gelagerte Müllansammlungen, die Fütterung von Ratten sowie die Fütterung von Tauben und anderen Wildtieren Ursachen für ein erhöhtes Rattenaufkommen sein können.
Ratten inzwischen auf dem gesamten Kita-Außengelände
Wie ernst die Situation inzwischen ist, zeigen die Angaben des Senats zum konkreten Befall. Auf sämtlichen Bereichen des Außengeländes der Kita wurden Ratten gesichtet. Rattenbauten befinden sich sowohl in den Sträuchern als auch unter fest installierten Spielgeräten.
Doch der Befall reicht noch weiter. Unter den Platten einer Dachterrasse wurden Rattenbewegungen festgestellt. Die Tiere bewegen sich teilweise hinter die Fassade. Dort wurde ein Rattengang festgestellt, der offenbar aus dem Erdreich kommt und bis zu einem Loch in rund zwei Metern Höhe führt.
Auch im Sielsystem wurden bei einer Kamerabefahrung Ratten nachgewiesen. Im Fettabscheider fand man drei tote Tiere. Im Kriechkeller gibt es ebenfalls Hinweise auf einen Befall. Selbst innerhalb des Gebäudes wurden Rattenrückstände festgestellt – unter anderem in den abgehängten Decken der Gewerbeküche, eines Putzmittelraums und im Mitarbeiterraum.
Das Außengelände und die Küche mussten gesperrt werden. Ein Fachunternehmen kontrolliert das Gelände inzwischen mehrfach pro Woche.
Viele Stellen tun etwas – aber jeweils in ihrem Bereich
Die Antwort des Senats macht gleichzeitig deutlich, wie zersplittert die Zuständigkeiten sind.
Das Institut für Hygiene und Umwelt ist für die Rattenbekämpfung im öffentlichen Raum zuständig. Eine präventive oder regelmäßige Überprüfung einzelner Quartiere findet allerdings nicht statt. Auf privaten Flächen von Vonovia und SAGA sind wiederum private Schädlingsbekämpfungsunternehmen zuständig.
In öffentlichen Grünstreifen vor der Kita hat das Institut für Hygiene und Umwelt am 24. und 25. August 2026 akute Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt. Auf dem benachbarten Schulgelände wurde bislang kein erhöhtes Rattenaufkommen festgestellt; dort wurden vorsorglich Fallen aufgestellt.
Die Stadtreinigung wiederum bewertet die Sauberkeitssituation insgesamt als „stabil und gut“. Gleichzeitig wurden allein für den Bereich Gropiusring 23 bis 38 innerhalb eines Jahres 14 Meldungen im Zusammenhang mit Rattenvorkommen an Müllstandplätzen erfasst.
Die WasteWatcher+ kontrollieren Steilshoop nach Angaben des Senats zwei- bis dreimal pro Woche. Eine Ausweitung der Kontrollen oder ein dauerhaft verstärkter Einsatz ist derzeit nicht vorgesehen.
Bezirksamt kann Situation bislang nicht einmal bewerten
Besonders bemerkenswert ist die Antwort des Bezirksamtes Wandsbek. Obwohl der massive Befall der Kita bekannt ist, erklärt der Senat:
Dem Bezirksamt lägen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor. Deshalb könne es weder eine Bewertung der Situation vornehmen noch Maßnahmen ergreifen beziehungsweise ergriffen haben.
Genau hier liegt das Problem: Es reicht nicht, wenn jede Stelle nur auf die eigene Zuständigkeit und das eigene Grundstück schaut. Ratten halten sich nicht an Grundstücksgrenzen. Wenn die Ursachen im Umfeld liegen, muss auch das Umfeld gemeinsam betrachtet werden.
Jetzt soll ein Runder Tisch helfen
Die Elbkinder haben deshalb selbst die Initiative ergriffen. Für die 36. Kalenderwoche wurden benachbarte Vermieter, Bezirksamt, Institut für Hygiene und Umwelt, Stadtreinigung und Polizei zu einem Runden Tisch eingeladen.
Dabei sollen die Ursachen identifiziert und konkrete Maßnahmen vereinbart werden. Aus Sicht der Elbkinder gehören dazu insbesondere eine stärkere und regelmäßige Müllbeseitigung, konsequent geschlossene Müllbehälter, eine stärkere Ahndung verbotener Taubenfütterungen und unsachgemäßer Müllentsorgung sowie vor allem klare Verantwortlichkeiten und nachhaltige Präventionsmaßnahmen.
Dieser gemeinsame Ansatz ist dringend notwendig. Die einzelnen Maßnahmen der verschiedenen Stellen sind richtig. Angesichts des inzwischen massiven Befalls reichen Einzelmaßnahmen aber nicht mehr aus.
Das Problem ist jetzt akut. Wenn Ratten bereits das gesamte Außengelände einer Kita besiedeln, in Fassaden, Sielsystem und Teile des Gebäudes vorgedrungen sind und Bereiche deshalb gesperrt werden müssen, braucht Steilshoop ein gemeinsames und konsequentes Vorgehen aller Beteiligten. Zuständigkeitsgrenzen dürfen einer wirksamen Bekämpfung nicht im Wege stehen.
Quelle: Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Sandro Kappe (CDU), Drs. 23/5125 „Maßnahmen in Farmsen-Berne und Steilshoop (V)“, Antwort des Senats vom 1. September 2026.
Elbkinder-Geschäftsführerin bittet Politik um Hilfe: Rattenproblem betrifft ganz Steilshoop

