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Zwei Ladesäulen für fast 147.000 Wohnungen – Hamburgs E-Mobilitäts-Realität ist ein Offenbarungseid

Zum Stand 31.12.2025 befinden sich knapp 147.000 Wohnungen im Besitz öffentlicher Träger. Dazu gehören 48.279 Stellplätze, von denen 43.630 tatsächlich vermietet sind. Was bedeutet das für Menschen, die ein E-Auto fahren (oder es zumindest erwägen)?

Exakt zwei (2!) Ladesäulen.
Nicht zwei pro Quartier. Nicht zwei pro Bezirk. Sondern zwei in ganz Hamburg.

Das entspricht einem Anteil von rund 0,004 Prozent bezogen auf die vermieteten Stellplätze. Man muss diese Zahl zweimal lesen, um sie zu glauben. Wer hier von einem „Ausbau“ der Ladeinfrastruktur spricht, betreibt politische Schönfärberei

Wallboxen: minimaler Zuwachs, maximaler Stillstand

Gerne wird auf die Wallboxen verwiesen, um die Bilanz etwas freundlicher aussehen zu lassen. Tatsächlich sind zum Jahresende 2025 136 Wallboxen erfasst. Das klingt zunächst nach mehr – relativiert sich aber sofort: Das sind gerade einmal 0,28 Prozent der Stellplätze.

Ja, es sind mehr als im Vorjahr (95 in 2024). Aber auch dieser Zuwachs ändert nichts an der Realität: Das ist faktisch nichts. Bei einer Wohnungszahl in dieser Größenordnung müsste man über Tausende Ladepunkte sprechen – nicht über zweistellige oder niedrige dreistellige Zahlen.

Verkehrswende ohne Steckdose?

Besonders brisant: Die Wohnungen gehören öffentlichen Trägern. Also genau jenen Akteuren, von denen man erwarten dürfte, dass sie mit gutem Beispiel vorangehen. Stattdessen heißt es sinngemäß: „bedarfsgerecht“, „Einzelfall“, „keine Daten“, „keine Zeit zur Ausdifferenzierung“. Planung sieht anders aus, strategischer Ausbau erst recht.

Wer Menschen zum Umstieg auf E-Mobilität bewegen will, muss ihnen auch ermöglichen, ihre Fahrzeuge im Alltag zu laden – vor allem dort, wo sie wohnen. Alles andere bleibt Symbolpolitik.
Zwei Ladesäulen für fast 147.000 Wohnungen sind kein Randproblem, sondern ein strukturpolitisches Versagen. Hamburg blockiert die eigene Verkehrswende ausgerechnet im Bereich des öffentlichen Wohnungsbestandes. Wer Klimaziele ernst meint, darf sich solche Zahlen nicht leisten – und schon gar nicht schönreden.

Quelle: Drucksache 23/2674